Dufte

Einserkastl31. August 2014, 18:09
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Von Nudelsucht und Geruchsentwicklung

Kollege S. ist ein Fan der "Udon-Nudeln mit Chilibeef", die der Asiate ums Eck anbietet. Seit S. sie vor Monaten gekostet hat, stehen sie werktäglich auf seinem Speiseplan. Längst vermutet S., dass er "wahrscheinlich süchtig" sei. Die Kollegen hegen darüber keine Zweifel, lediglich der Ersatzstoff wird diskutiert, mit dem ein Entzug gelingen kann.

Mittags duftet es in S.' Ecke des Großraumbüros stets süß, säuerlich und auch irgendwie rauchig. Die Schlürfgeräusche vom Hochzuzeln der glitschigen Nudeln werden von der schalldämmenden Einrichtung geschluckt - großteils.

Vergangene Woche nun begab es sich, dass S. erstmals Unmut über sein Mahl äußerte. "Da sind zu wenig Nudeln drin", meinte er stirnrunzelnd, "die Portion ist ganz gleich groß wie sonst, nur ist da plötzlich zu viel Fleisch drin."

Die Elterngeneration würde in diesem Fall von einem Luxusproblem sprechen - früher wurde Qualität bekanntlich in Quantität bemessen. Bei Schinkenfleckerln etwa (die Udon mit Chilibeef von früher?) war es der Legende nach am wichtigsten, dass sie ja nicht "Fleischversteckerl" zu spielen wagten.

Heute hingegen spüren immer mehr Zeitgenossen, dass zu viel des Guten ganz schnell ins Gegenteil umschlagen kann. Insofern besteht Hoffnung für die mittägliche Geruchsentwicklung im Büro. Andererseits aber kommt meist nix Besseres nach - da hat sich seit den Eltern nichts geändert. (corti, DER STANDARD, 1.9.2014)

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