Offensive gegen IS-Belagerung in Amerli

31. August 2014, 13:27
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Irakische Truppen und US-Streitkräfte starteten zur Verteidigung der Stadt eine Offensive

Bagdad - Irakische Truppen sind am Sonntag nach eigenen Angaben in die belagerte Stadt Amerli im Norden des Landes vorgedrungen. "Unsere Truppen sind nach Amerli eingedrungen und haben die Belagerung durchbrochen", sagte Armeesprecher Kassem Atta am Sonntag. Ein Behördenvertreter aus der Region und ein Kämpfer, der die Stadt gegen die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) verteidigt hatte, bestätigten die Angaben. Die irakische Armee hatte am Samstag gemeinsam mit schiitischen und kurdischen Milizen eine Offensive zur Befreiung von Amerli gestartet.

Auch die US-Streitkräfte haben zur Verteidigung einer eingeschlossenen Stadt im Nordirak Stellungen der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) bombardiert und Hilfslieferungen für die Bevölkerung abgeworfen. Bei den Angriffen der Kampfflugzeuge seien ein Panzer, mehrere andere Fahrzeuge und ein Kontrollposten des IS getroffen worden, teilte die Armee mit. US-Außenminister John Kerry bezeichnete die Gruppe als Krebsgeschwür, das sich nicht auf andere Staaten ausbreiten werde.

Seit gut zwei Monaten belagert

Die Stadt Amerli wurde seit gut zwei Monaten von der Sunnitenmiliz belagert. Bei den Bewohnern handelt es sich zumeist um schiitische Turkmenen, die vom IS als Ungläubige angesehen werden. Mehr als 15.000 Menschen waren eingeschlossen. Am Sonntag erreichten die irakischen Sicherheitskräfte schließlich die Stadt. Während sie nach eigenen Angaben IS-Kämpfer östlich von Amerli besiegen konnten, gingen die Kämpfe weiter nördlich weiter.

Die US-Luftwaffe warf nach eigenen Angaben mehr als 100 große Pakete mit Hilfsgütern ab. Britische, französische und australische Flugzeuge brachten weitere Lieferungen in die Stadt. Am Samstag hatte die US-Luftwaffe auch Stellungen des IS in der Nähe der größten irakischen Talsperre bei Mossul bombardiert, wie das amerikanischen Verteidigungsministerium mitteilte. Kurdische Kämpfer hatten das Bauwerk mit amerikanischer Hilfe vor zwei Wochen zurückerobert.

Überrascht von der IS-Offensive

Die Behörden der autonomen Kurdenregion wurden wie auch die von Schiiten geführte Zentralregierung in Bagdad von der Offensive des IS überrascht. Die Milizen haben innerhalb kurzer Zeit ein Drittel des Landes unter ihre Kontrolle gebracht und setzen eine von ihnen propagierte Version des Islams durch. Ihnen werden Taten wie Enthauptungen, Amputationen und Kreuzigungen vorgeworfen.

Die mehrheitlich von schiitischen Turkmenen bewohnte Stadt wird seit mehr als zwei Monaten von den Jihadisten belagert, die Anfang Juni weite Teile des Nordirak in ihre Gewalt gebracht hatten. Tausenden Bewohnern fehlt es an Wasser und Lebensmitteln, im Fall einer Eroberung droht ihnen nach Einschätzung der UNO wegen ihres schiitischen Glaubens ein Massaker. (APA, 31.8.2014)

  • Am Samstag wurden Frauen und Kinder evakuiert
    foto: reuters

    Am Samstag wurden Frauen und Kinder evakuiert

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