Somalische Truppen erobern Islamisten-Hochburg zurück

31. August 2014, 15:04
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Regierungstruppen und AU-Soldaten bekämpfen Shabaab-Miliz

Mogadischu/Wien - Somalische Regierungssoldaten und Truppen der Afrikanischen Union (AU) haben eine der Hochburgen der islamistischen Shebab-Miliz im Süden des Landes erobert. Die Stadt Bulomarer, die etwa 160 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Mogadischu liegt, sei "befreit", teilte die AU-Mission in Somalia (Amisom) am Samstag mit. In Mogadischu griffen Shebab-Kämpfer am Sonntag die Geheimdienstzentrale an.

Regierungssoldaten und AU-Truppen hatten nach eigenen Angaben in der Nacht zum Samstag eine neue Militäroffensive gegen die Shebab-Miliz gestartet. Augenzeugen berichteten von lauten Explosionen und einem Konvoi aus Panzern und gepanzerten Militärfahrzeugen, der Richtung Bulomarer fuhr.

Die somalische Regierung erklärte, die Shebab-Kämpfer seien vor den vorrückenden Truppen geflohen. Das "nächste Ziel" der Offensive sei nun die Stadt Barawe - der letzte verbliebene und strategisch wichtige Hafen unter Kontrolle der Shebab-Milizen.

Über Barawe exportiert die Shehab-Miliz vor allem Holzkohle in die Golfstaaten. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen erzielen sie damit Einnahmen von mindestens 25 Millionen Dollar (19 Millionen Euro) pro Jahr. Nach Angaben von Augenzeugen waren Regierungssoldaten und AU-Truppen bereits auf dem Weg nach Barawe. In Sicherheitskreisen war für Anfang September mit einer Offensive zur Rückeroberung der Hafenstadt gerechnet worden.

Keine funktionierende Zentralregierung

In Somalia gibt es praktisch seit Anfang der 1990er Jahre keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Shebab-Miliz kontrollierte über Jahre weite Gebiete im Süden und Zentrum des Landes, doch wurde sie inzwischen aus Mogadischu und anderen Städten zurückgedrängt.

Sie kontrolliert aber immer noch noch einige Gebiete, außerdem leidet die Bevölkerung unter der Gewalt verfeindeter Clan-Milizen und krimineller Banden. Die Islamisten verüben zudem immer wieder schwere Anschläge auf Regierungsinstitutionen sowie auf Vertreter der UNO und der AU.

Am Sonntag griffen Kämpfer der Al-Shebab-Miliz (Al-Schabaab-Miliz) die Geheimdienstzentrale in Mogadischu an. Nach Angaben aus Polizeikreisen zündeten die Angreifer zunächst eine Autobombe und lieferten sich dann heftige Schusswechsel mit Sicherheitskräften. Dabei wurden nach Angaben von Polizeichef Mohamed Abudle alle vier Angreifer getötet. Der Angriff sei damit "vereitelt" worden, die Situation sei wieder "unter Kontrolle".

Die Al-Shebab-Miliz erklärte, sie wolle ihre eigene, strikte Auslegung des islamischen Rechts in Somalia durchsetzen. Die somalische Regierung bemüht sich, das Land mit internationaler Hilfe nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges und der Anarchie zu befrieden.

Die Geheimdienstzentrale, zu der auch ein Hochsicherheitsgefängnis gehört, liegt in der Nähe des Palastes von Präsident Hassan Sheikh Mohamud, der im Juli ebenfalls von Shebab-Kämpfern angegriffen worden war. Eine ähnliche Attacke auf den Präsidentenpalast hatte es bereits im Februar gegeben, im Mai wurde das Parlament angegriffen. (APA, 31.8.2014)

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