Mehr als ein Spiel

29. August 2014, 19:10
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In szenischen Kommentaren und einem Rundgang durch den ersten Bezirk nähern sich Studierende des Instituts angewandtes Theater Leben und Werk Stefan Zweigs

Wien – "Nicht ein Leben wird erzählt, das ist das Beglückende, sondern das Bild einer geistigen Provinz, in der Europas Elite wohnt", schrieb 1946 Jürgen Schüddekopf in der Zeit über Stefan Zweigs Die Welt von gestern. Und weiter: "Immer wieder schimmert in sachlichen Exkursen über soziale, sexuelle und jüdische Pro bleme die Wirklichkeit durch, aber wirklicher scheint die Welt des Geistes."

Diese Verzahnung von Realität mit Fiktion ist es, in der die Erscheinungen immer schon über sich hinaus und in ein ideelles Reich weisen, die die Studierenden des Instituts angewandtes Theater (Ifant) interessiert. Im Rahmen der aktuellen Schau des Theatermuseums, "Wir brauchen einen ganz anderen Mut! Stefan Zweig – Abschied von Europa", zeigen dreizehn angehende Theaterpädagoginnen und -pädagogen die Performance "Mein Leben, welches Leben?" unter der Leitung von Regisseurin Claudia Bühlmann und Dramaturg Friedhelm Roth-Lange.

Verschiedenen Aspekten der Biografie Zweigs, seinem Selbstmord im brasilianischen Exil oder Werken wie der Schachnovelle und Die Welt von gestern, nähern sie sich darin in szenischen Kommentaren an. Die Fragen, die sie sich stellen, lauten etwa: "Ist Schach wirklich nur ein Spiel?" Auf der Suche nach Antworten geht es durch die Stationen im Theatermuseum, wo unter anderem das Foyer eines Grandhotels und die einstmalige Gestapo-Leitzentrale am Franz-Josefs-Kai nachgebildet sind.

Danach führt die Performance an Originalschauplätze im ersten Bezirk. Der Weg endet, wo tatsächlich viele Wege ihr Ende fanden: am Morzinplatz, in besagter Gestapo-Zentrale.

Auch das ein Ort, an dem die Fiktion mit der Realität in eins fällt. Er ist Schauplatz der Schachnovelle ebenso wie der grausamen NS-Realität. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 30./31.8.2014)

30./31. 8., 16.00,Österreichisches Theatermuseum, Kartenreservierung unter: office@ifant.at

  • Mein Leben, welches Leben?_Studierende des Instituts angewandtes Theater stellen diese Frage performativ im Rahmen der Zweig-Ausstellung im Theatermuseum.
    foto: ifant

    Mein Leben, welches Leben?_Studierende des Instituts angewandtes Theater stellen diese Frage performativ im Rahmen der Zweig-Ausstellung im Theatermuseum.

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