Tschick: Rauchzeichen aus Österreich

31. August 2014, 16:47
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Mit der Zigarettenproduktion ist es schon länger vorbei. Mit der Tschick will ein Österreicher der Konkurrenz eine heimische Marke entgegen setzen

Wien - Rauchen ist ungesund, und so richtig schick ist der Glimmstängel-Genuss auch nicht mehr. Dazu passt, dass hierzulande die letzte Produktionsstätte vor geraumer Zeit ihre Pforten schloss. 2011 zog bekanntlich Japan Tobacco International (JTI) mit der Schließung des Hainburger Austria-Tabak-Werks einen Schlussstrich unter 227 Jahre Zigarettenherstellung in Österreich.

Den Kommunikationswissenschafter Reinhard Leitner ficht das nicht an. Im Gegenteil: Dank seiner Initiative gibt es ab sofort wieder eine rot-weiß-rote Zigarette, Marke Tschick. Zumindest in Ansätzen. Denn der Glimmstängel mit "österreichischem Charakter" wird in Polen produziert. Geht es nach Tschick-Erfinder Leitner soll das nicht so bleiben: "Ich war dabei, wie Hainburg zugesperrt wurde. Mein Wunschtraum ist es, die Produktion wieder nach Österreich zu holen."

Gegen die internationale Konkurrenz

Dass sich die Idee mangels Infrastruktur in Rauch auflösen könnte, gibt er zu. Der geborene Oberösterreicher brennt seit seiner Jugend für die Tabakindustrie. Aufgewachsen hinter der Linzer Tabakfabrik, war er 20 Jahre in unterschiedlichen Positionen in genau dieser tätig, auch bei der Austria Tabak. 1784 als "Österreichische Tabakregie" gegründet, hat sie 2001 der damalige Kanzler Wolfgang Schüssel privatisiert. Vor drei Jahren trug JTI den Ex-Monopolisten zu Grabe. Produziert werden Memphis, Smart und Co seither in Polen. Die Tschick wird ebendort, aber in einer anderen Fabrik, gerollt.

Vor 15 Jahren war hierzulande rund jede dritte gerauchte Zigarette eine der Sorte Memphis. Mittlerweile sind die Marktanteile zugunsten internationaler Marken verpufft. 99 Prozent des Marktes - rund 13 Mrd. Stück werden jährlich versteuert geraucht - seien unter der internationalen Konkurrenz (Philip Morris vor JTI, Imperial Tobacco und BAT) aufgeteilt, sagt Leitner. "Das verbleibende eine Prozent ist unser Spielraum." Mit Tschick soll sich das Tabakblatt ein bisschen wenden. (rebu, STANDARD, 1.9.2014)

Wissen: Der heimische Tabakmarkt wird von vier Firmen beherrscht. Nummer 1 ist der Marlboro-Konzern Philip Morris, der 2013 laut AC Nielsen auf einen Marktanteil von 37,1 Prozent kam, gefolgt von JTI (vormals Austria Tabak) mit 33 Prozent. Imperial Tobacco kam auf einen Anteil von 15,8 Prozent, gefolgt von BAT mit einem Anteil von 11,0 Prozent.

  • Tschick soll gegen die internationale Konkurrenz antreten. Punkten will man auch mit dem Preis:  Das Packerl kostet 4,20 Euro.
    foto: ralf kliem/tschickfabrik

    Tschick soll gegen die internationale Konkurrenz antreten. Punkten will man auch mit dem Preis: Das Packerl kostet 4,20 Euro.

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