"Die Staatsaffäre": Wie sich Kanzlerin Ferres den Atomausstieg erküsst 

Ansichtssache29. August 2014, 17:08
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Die Affären Guttenberg und Wulff hat Sat.1 bereits verfilmt. Jetzt darf sich Kanzlerin Veronica Ferres in den französischen Präsidenten verlieben - in einer Komödie, die Angela Merkels Popularität noch weiter steigern dürfte.

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Was die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (also die echte) tat, als am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel, ist bekannt: Sie saß in einer Ostberliner Sauna und bekam zunächst nichts mit.

Heiß ging es 1989 im Sat.1-Film "Die Staatsffäre" auch bei Studentin Anna Bremer (Veronica Ferres) zu. Die verbrachte in Berlin die Nacht mit dem französischen Austauschstudenten Guy Dupont (Philippe Caroit).

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Danach ging jeder seiner Wege, und diese kreuzen sich nun, 25 Jahre später, wieder. Anna ist seit ein paar Jahren deutsche Kanzlerin, und Guy wird gerade neuer französischer Staatspräsident.

Anders als bei den durchaus gelungenen Verfilmungen der realen Affären von Karl-Theodor zu Guttenberg und Christian Wulff, gibt es hier keine Vorlage. Das macht Macht ja zum Faszinosum: Das meiste von dem, was Spitzenpolitiker in ihrem Privatleben treiben, und wie sie privat wirklich ticken, bleibt im Dunkeln.

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Für Sat.1 ist dieses Vakuum ein Freibrief für Absurditäten, derentwegen man eigentlich eine neue Kategorie von Filmpreis erfinden müsste. Da fragt Kanzlerin Ferres ihren treudoofen Sicherheitsbeamten schon mal nach Flirttipps, weil sie ja immer noch Single und bloß "mit Deutschland verheiratet" ist. Und übt mit ihrem Berater Bernhard (Martin Brambach, ein verlässlicher Lichtblick) vor einem EU-Gipfeltreffen einen sexy Augenaufschlag.

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Der Wahnsinn hat auch eine politische Dimension. Die Kanzlerin will den europäischen Atomausstieg, die Franzosen ziehen nicht mit. Also erklärt Annaferreskanzlerin Womanizer Guy, den sie natürlich nie vergessen hat, was Atomausstieg und Liebesbeziehung gemeinsam haben: "Man kann nicht immer nur mit den eigenen Vorlieben kommen."

Und weil der auch nur ein Mann ist, lässt er sich die Schließung von Atomkraftwerken abküssen. Vielleicht wäre das ein Ansatz für Angela Merkel, François Hollande zu mehr Haushaltsdisziplin zu bringen. Ein Kuss für jede eingesparte Milliarde.

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Veronica Ferres hat nach den Dreharbeiten betont, sie spiele nicht die, sondern eine deutsche Kanzlerin. Für diesen Hinweis ist man sehr dankbar, denn im Film trägt sie wie Merkel Hosenanzüge und formt mit den Händen auch die Merkel-Raute. Und sie sieht Merkel ja auch recht ähnlich.

Die echte deutsche Regierungschefin kann sich jedenfalls freuen: Wer einmal Ferres als Kanzlerin gesehen hat, der wird unweigerlich zum Merkel-Fan. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 30./31.8.2014)

"Die Staatsaffäre": Sat.1, Dienstag, 2. September, 20.15 Uhr.

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