Unter Zwergen

29. August 2014, 17:08
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Vorarlberg. Dämmerung. Lange Schatten.

(Suchtrupps in roten T-Shirts durchstreifen das Land. Licht auf drei ältere Männer mit Taschenlampen. Sie leuchten in die Fenster der Vorarlberger ÖVP-Zentrale.)

DER ERSTE: Ich wette, sie sind da drin. Eine so grandiose Werbeidee wie Gartenzwerge an Laternenpfählen, das haben die Schwarzen nicht gepackt. Sie haben genau gewusst, wenn die ein paar Tage hängen, haben sie die Wahl verloren. Deswegen haben sie sie gekidnappt.

DER ZWEITE: Hoffentlich tun sie ihnen nichts an.

DER DRITTE (hebt den Arm): Still! Ich höre was!
(Sie verstummen. Man hört aus dem Gebäude leise Gesang.
Alle stürzen zu einem Kellerfenster.

Verwandlung. Ein Saal. Hunderte von Gartenzwergen sitzen
um eine lange Tafel. Sie lachen, trinken und singen.)

DIE ZWERGE: Hei ho, hei ho! / Wir sind vergnügt und froh! / Wir tun nur mehr, was uns gefällt, / das ist uns lieber so! // Hei he, hei he! / Weg von der SPÖ! / Dort hängt man am Laternenpfahl, / hoch droben in der Höh! // Hei hu, hei hu! / Jetzt schütten wir uns zu / und wir trinken Bruderschaft! /
Mit Schwarz auf du und du! // Hei he, hei he! / Hoch die ÖVP! / Bald gründen wir den Zwergenbund, / der fehlt
dem Land doch eh! // Hei ha, hei ha! / Dann sind wir wieder da! / Einer wird Parteiobmann, / zumindest für ein Jahr!

(Sie prosten, springen von ihren Sitzen auf und tanzen wild, unverständlich weiter singend, durch den Saal.

Verwandlung. Der Suchtrupp vor
der ÖVP-Zentrale.)

DER ZWEITE (entsetzt): Die sind überhaupt nicht gekidnappt worden! Die sind übergelaufen!

DER ZWEITE: Schweine!

DER DRITTE: Unglaublich! Aufg’hängt g’hör’n s’. An die nächste Latern’ mit ihnen!

(Vorhang)

(Antonio Fian, DER STANDARD, 30./31.8.2014)

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