Handel: Das Kreuz mit dem Tag des Herrn

29. August 2014, 15:24
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Neue Umfragen lassen die Debatte um die Sonntagsöffnung wiederaufleben. Die Interessenvertreter sind sich uneinig wie eh und je

Wien - Die Diskussion um die Sonntagsöffnung in Wien ist neu entflammt. Nachdem der Wiener ÖVP-Wirtschaftsbund vergangene Woche erneut für Tourismuszonen in Wien eintrat, reagierte der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV) mit einer Blitzumfrage unter Wiens Handelstreibenden. Das Ergebnis: rund 65 Prozent der über 600 Befragten äußerten sich gegen die Sonntagsöffnung, rund 35 Prozent dafür.

Die Befragung fand bei Besuchen durch Akan Keskin, Obmann der Sparte Handel im SWV Wien in Wiener Geschäften sowie online statt. Die Sonntagsöffnungszeiten seien eine Lebensfrage der Stadt. Man brauche Zeiten der Entschleunigung, so SWV-Wien-Direktor Peko Baxant bei einem Pressegespräch am Freitag. Der ÖVP-Wirtschaftsbund vertrete hier nicht die Interessen der Handelstreibenden.

Tourismuszonen

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Der ÖVP-Wirtschaftsbund veröffentlichte noch am selben Tag eine Erhebung, die den eigenen Standpunkt untermauert. Nach dieser seien 64 Prozent der Handelsbetriebe in Wien für eine Sonntagsöffnung in Tourismuszonen und 34 Prozent dagegen.

Wie genau eine solche Tourismuszone gestaltet sein könnte und ob und wo diese Sinn machen könnten, ist aktuell Thema eines Arbeitskreises in der Wirtschaftskammer. Vertreter aus Handel, Gewerbe und Tourismus wollen in den nächsten Wochen Ergebnisse präsentieren, heißt es. Beim SWV hält man wenig von der Idee, die Öffnungszeiten in Teilen der Stadt für Touristen zu liberalisieren. „Ganz Wien ist Tourismuszone, man kann schwer sagen, wo eine begrenzte Zone aufhören oder anfangen soll", so Baxant. Teilweise dürfen Geschäfte schon jetzt auch am Sonntag geöffnet haben.

Tourismus dafür, Stadt dagegen

Aus touristischer Sicht könne man nicht anders, als für die Sonntagsöffnung einzutreten, heißt es von Seiten des Wiener Tourismusverbandes. Seit mehreren Jahrzehnten wünscht sich der Verband geöffnete Geschäfte am Sonntag, allerdings eine Einigung der Sozialpartner vorausgesetzt. Das Thema könne man nicht nur vom touristischen Standpunkt aus betrachten.

Im Büro der Vizebürgermeisterin Renate Brauner hält man die aktuelle Lösung für ausreichend und stellt sich gegen eine generelle Sonntagsöffnung, auch in Touristenzonen. Es reiche, dass man bei Großereignissen wie der Euro 2008 oder dem Songcontest flexibel sei. Das „Nein“ aus dem Rathaus freut auch die Fraktion der Sozialdemokratischen GewerkschafterInnen, wie diese in einer Aussendung am Freitag bekanntgaben. (Sonja Spitzer, derStandard.at, 29.8.2014)

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    foto: robert newald
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