Mit Schwung in den Endspurt

29. August 2014, 13:12
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Lang Lang, Daniele Gatti und die Wiener Philharmoniker mit Mozart und Bruckner

Salzburg – Der scheidende Intendant Alexander Pereira hat nicht selten mit unerwarteten Künstler-Paarungen überrascht. Die Konstellation Lang Lang, Wiener Philharmoniker, Daniele Gatti und Mozart war eine der bizarreren.

Auf dem Programm des letzten Festspielkonzerts der "Wiener" in Salzburg standen Mozarts Konzert für Klavier und Orchester c-Moll KV 491 und die Dritte Bruckner.

Lang Lang spielte, wie Lang Lang eben spielt: Delikat im piano, markig im forte. Frisch und frei in der Phrasierung. Den Linien Akzente im Anschlag und Ausbuchtungen in Lautstärke oder Tempo verpassend, wo die Augenblicks-Inspiration es ihm gerade eingibt. Mit liebenswürdig erhobenem Zeigefinger sich selbst, das Publikum, die Orchesterkollegen – und natürlich den Dirigenten – auf Einsätze aufmerksam machend. Mit Schwung und Charme auch einmal exakt neben eine aktuell gefragte Taste greifend: Lang Lang "spielt" Klavierspielen und macht das mit liebenswürdigem Eifer. Man muss ihn gern haben.

Das scheinen auch die Wiener Philharmoniker gedacht zu haben. Sie sind auf Lang Langs oft überraschend eingesprungene Beiträge mit bereitwilliger Aufmerksamkeit eingestiegen. Feine Dialoge haben sich entwickeln können, vor allem mit den Holzbläsern, denen Mozart in diesem Werk überirdisch schöne Passagen geschenkt hat. Das verhaltene c-Moll-Konzert ist ja viel weniger ein Virtuosen-Konzert, als eine Diskussionsgrundlage zum gleichberechtigten Austausch von Klavier und Orchester. Daniele Gatti hat sich als Gesprächsleiter bei Mozart auf Kurskorrekturen da und dort beschränkt, den Stab aber erst für die Symphonie Nr. 3 d-Moll von Anton Bruckner fest in die Hand genommen.

Mit Spannung und musikantischer Verve interpretiert wurde die knackige, von Bruckner selbst radikal gekürzte, dritte Fassung. Das virtuose Spiel mit den Bruckner’schen Doppelthemen, etwa Bläserchoral vs. Tanzmotiv im Finale, verführte zum ebenso gespannten Zuhören. In den piano-Passagen schien die Macht des nächsten forte oder gar fortissimo schon gebändigt enthalten zu sein. Den Explosionen und Eruptionen im Blechbläsersatz mangelte es nie an Transparenz und Eleganz. Die Holzbläser spielten, wie es Wiener Philharmonischen Holzbläsern geziemt: Überirdisch. Bei alle dem kam dennoch kein Hochglanz-Produkt heraus, sondern ein durch und durch musikantischer Bruckner. Hat das Publikum begeistert und wird dem "Musikanten Gottes" auch gefallen haben. (Heidemarie Klabacher, derStandard.at, 29.8.2014)

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