RBI-Chef: Russland und Ukraine große Gefahr

29. August 2014, 12:58
42 Postings

Die EU tue gut daran, zu analysieren, was auf sie zukommt, sagt Raiffeisen-International-Chef Karl Sevelda

Alpbach/Wien - Vom Konflikt zwischen Russland und der Ukraine gehe eine große Gefahr aus, sagte Karl Sevelda, CEO der in den beiden Ländern tätigen Raiffeisenbank International (RBI), am Freitag im Rahmen der Finanzgespräche beim Forum Alpbach. Die EU tue gut daran, zu analysieren, was da auf sie zukommen könnte.

Im erstklassigen Russland-Geschäft hätten sich die gegen Russland gerichteten Sanktionen der EU und der USA bisher praktisch nicht ausgewirkt. "Wir wissen aber nicht, was uns noch ins Haus steht", so Sevelda.

In der Ukraine sei die Lage wesentlich schwieriger. Das Land müsse derzeit mit einem BIP-Rückgang um sieben Prozent rechnen und habe große wirtschaftliche Probleme. Große Unternehmen hätten sich aus der Ukraine zurückgezogen, das habe sich auch auf die Geschäfte der RBI ausgewirkt. Insgesamt betrage die RBI-Bilanzsumme in der Ukraine rund drei Milliarden Euro, davon entfielen wenige als 500 Millionen Euro auf die gefährlichen Gebiete. Nicht alles davon sei aber ausfallsgefährdet.

"Die EU tut gut daran, zu analysieren, was auf sie zukommt", meinte Sevelda. Die Ukraine sei gemessen am Pro-Kopf-Einkommen vielleicht das ärmste Land in Europa und erwünsche sich nun Hilfe von der EU. Die bisher zugesagten Hilfen seien aber "bloß ein Tropfen auf den heißen Stein, das kann ich ihnen sagen".

Griechenland im Vergleich ein Klacks

"Wenn sich Russland aus der Ukraine zurückzieht, wird das für die EU eine riesen Belastung werden", warnte Sevelda. "Ich sage Ihnen, Griechenland war im Vergleich dazu ein Klacks", so der RBI-Chef. Russland sei der größte Investor und der größte Handelspartner und Energielieferant der Ukraine. In Ungarn sieht Sevelda eine Sondersituation: "Die Regierung mag Banken nicht".

Insgesamt bleibe der zentral- und osteuropäische Wirtschaftsraum aber vielversprechend, auch wenn man Korrekturen vornehmen müsse. Der CEE-Raum könne nicht in einen Topf geworfen werden, Tschechien, Polen und die Slowakei seien schon reife Märkte, Südosteuropa mit Bulgarien und Rumänien sei etwas zurückgeblieben. "Wir können nicht mehr so stark wachsen, wie früher", so Sevelda. Die Banken hätten Sorgen in Zentral- und Osteuropa, "aber auch sonst".

Risiko diversifiziert

Dadurch, dass die RBI in 15 Märkten vertreten sei, sei das Risiko diversifiziert, was enorme Vorteile bringe.

Für die österreichischen Banken hätte die Ostöffnung enorme Chancen eröffnet, verteidigte Sevelda die Entscheidung, in diese Länder zu gehen. Raiffeisen sei erstmals 1987 nach Ungarn gegangen, noch vor der Ostöffnung. Die österreichischen Banken hätten beim Transformationsprozess in Zentraleuropa eine ganz entscheidende Rolle gespielt. Viele Unternehmen hätten nachgezogen. Insgesamt hätten sich daraus Vorteile für das Wirtschaftswachstum in Osteuropa und Österreich ergeben. "Diese Länder waren und sind noch immer Hauptertragsbringer", so Sevelda. Man habe auch Fehler gemacht. Rückblickend hätte man das eine oder andere Land bei der Expansion auslassen sollen. (APA, 29.8.2014)

  • RBI-Chef Sevelda
    foto: reuters/bader

    RBI-Chef Sevelda

Share if you care.