Slowakei gedenkt des Widerstands gegen den Nationalsozialismus

28. August 2014, 17:53
21 Postings

Feiern zum Jahrestag des Nationalaufstands von 1944

Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum Jahrestag des slowakischen Nationalaufstandes ist das mittelslowakische Banská Bystrica, das einstige Zentrum des Aufstandes. Rund 10.000 Besucher aus dem In- und Ausland sollten am Freitag eintreffen. Unter den Gästen sind einige, die den Aufstand miterlebten. Auf 2000 schätzt das slowakische Verteidigungsministerium die Zahl der noch lebenden Partisanen.

Im Mai, kurz vor dem Ende seiner Amtsperiode, lud der damalige Präsident Ivan Gasparovic den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu der Feier ein. Zu dem Zeitpunkt kontrollierte Russland bereits die Krim, die EU sowie die USA hatten Sanktionen verhängt. Das Außenamt zog die Einladung nicht zurück, Putin lehnte selbst ab. An seiner Stelle sollte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu kommen.

Rechtsradikaler Kotleba unerwünscht

Laut Protokoll eröffnet die Veranstaltung der Vorsitzende der Selbstverwaltungsregion - dieser ist allerdings unerwünscht. "Ich lade doch keinen Faschisten dazu ein, den antifaschistischen Aufstand zu feiern", erklärte Stanislav Micev, der Leiter des Museums des Slowakischen Nationalaufstandes. Mit Marian Kotleba steht ein Rechtsradikaler an der Spitze der Region, der den Aufstand als einen "von Kommunisten geführten Kampf gegen das eigene Volk" bezeichnet und ihn als das "Ende des eigenständigen slowakischen Staates" kritisiert hatte. Auch wenn Kotleba Persona non grata ist, schloss er nicht aus, als Privatperson teilzunehmen. Acht Jahre zuvor hatte ihn noch die Polizei wegen versuchter Ruhestörung abgeführt, als er die Feier besuchen wollte.

Rund eine halbe Million Euro kosten die Feierlichkeiten beim Museum des Slowakischen Nationalaufstandes, einem Betonkoloss, der an eine in zwei Teile gespaltene Schale erinnert. Über den Köpfen der Besucher dröhnen dann bei einer Flugschau Militärflieger, wenn die Kränze an dem Denkmal niedergelegt werden, das an den Aufstand erinnert, der nach zwei Monaten niedergeschlagen worden war und zu den größten Widerstandsbewegungen gegen den Nationalsozialismus in Europa zählt. (Katrin Litschko aus Bratislava, DER STANDARD, 29.8.2014)

Share if you care.