Achtbeiniger Netzaktivist lähmt Suzukis

Kopf des Tages28. August 2014, 18:27
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Sie spinnt, aber nur artbedingt: die Sackspinne

Tiere und Automobile - das sind zwei, die sich nicht verstehen. Vor einigen Tagen erst flippte in Südafrika ein Elefant ein Touristenauto aufs Dach. Von Störchen wird berichtet, dass sie sich über blankpolierte Karossen hermachen. Hunde sehen in Autos ohnehin bloß die Ausweitung ihrer persönlichen Aushaar- und Sabberzone oder ein willkommenes Pinkel-Stimulans. Der gemeine Marder hingegen snackt mit Vorliebe Kabel und Schläuche - mit letalem Ausgang für den Motor.

Eine der fiesesten Feindinnen des Autos ist jedoch ein luzid-gelbliches, achtbeiniges und mit Tarsalklauen ausgestattetes Geziefer aus der Familie der Sackspinnen (Clubioniadae).

Die eher mittelhübschen Tierchen haben gerade den japanischen Hersteller Suzuki gezwungen, in den USA 19.000 Fahrzeuge des Typs Kizashi zurückzurufen. Das Perfide an der Arac Attack: die zwischen drei und acht Millimeter kleinen Arachniden krabbeln in den Autotank und spinnen nahe dem Entlüftungsschlauch ihre Wohnnester, kleine sackartige Gespinste. Die Folgen des asozialen Wohnbaus: Die Entlüftung kann verstopfen, im Tank entsteht Unterdruck, der zu Haarrissen und schleichendem Benzinaustritt führen kann. So weit, so unangenehm - wenn die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA nicht vor möglichen Brandfällen gewarnt und die Sache in den Rang eines Medienereignisses gehoben hätte.

Bereits 2011 hatte es Mazda USA erwischt, damals wurden 65.000 Mazda6 zurückgerufen. Diagnose: Spinne im Tank. Eine nachträglich eingebaute Abdeckung der Entlüftung sorgte fortan für Ruhe im Tank. Doch diesen April schickten die Netzaktivisten wieder 42.000 Mazdas zurück in die Werkstätten.

Welche Sackspinnengattung tatsächlich für die Verstopfungen verantwortlich ist, konnte bislang noch nicht ermittelt werden. Unter dringendem Verdacht steht jedoch die Gelbe Sackspinne. Ebenso wenig ist bekannt, was die kleinen Krabbler motiviert, sich mit ihren Schlafsäcken in den Spritbehältern einzunisten. Die Vermutungen der Autohersteller reichen von Suchtverhalten (Benzinschnüffelei!) bis hin zur Vorliebe für bestimmte Motorengeräusche.

Gewiss ist eines: Das Arachnidengewusel beschränkt sich auf Automodelle, die in den Vereinigten Staaten ausgeliefert wurden, die europäische Sackspinne findet bislang keinen Gefallen daran, in Benzintanks abzuhängen. Braves Tierchen. (Stefan Schlögl, DER STANDARD, 29.8.2014)

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