Die smarte Ausweitung der Konzertzone

28. August 2014, 17:31
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Michael Nemeth, Grazer Musikvereinschef, im Gespräch

Graz - Wenn am kommenden Dienstag eines der weltbesten Orchester im Stephaniensaal die Jubiläumssaison des Grazer Musikvereins eröffnet, wird Intendant Michael Nemeth über die Segnungen der Ausdauer schwärmen dürfen. "Das Concertgebouw Orchestra und Dirigent Mariss Jansons nach Graz zu holen hat mich doch gute drei Jahre Arbeit gekostet. Und natürlich gelang es auch deshalb, weil das Orchester zuvor bei den Salzburger Festspielen gastiert." Wie immer die Konzertdinge zustande kommen - Nemeth, seit sechs Jahren für den Grazer Musikverein zuständig, ist es gelungen, das Programm in Graz kontinuierlich auf internationales Niveau zu heben.

Für die nunmehrige Jubiläumssaison zum 200. Geburtstag werden Sangesstars wie Elina Garanca und Angela Gheorghiu oder auch Dirigent Zubin Mehta (mit den Wiener Philharmonikern) anreisen - den Geburtstagsfestakt (am 7. April 2015) werden Dirigent Philippe Jordan und die Wiener Symphoniker prägen. Daneben wird Bariton Matthias Goerne Schubert-Lieder interpretieren, werden Nikolaus Harnoncourt und sein Concentus Musicus gastieren. Und ein üppiges Projekt, das Nemeth besonders wichtig ist, erfüllt die Stadthalle: Mahlers achte Symphonie erklingt in der Version des Grazer Philharmonischen Orchesters, das mit mehreren Chören und Solisten unter Gabriel Feltz musiziert.

Nicht zu vergessen: Die Sänger Simon Keenlyside, Diana Damrau und Florian Boesch und Erzähler Thomas Quasthoff werden ebenfalls zugegen sein. Also: Mit den 66 Veranstaltungen "bieten wir ungefähr um 20 mehr als sonst. Das ist natürlich nur möglich, da wir einmalige Sonderunterstützungen durch Sponsoren erhalten. Das wird so nicht zu wiederholen sein", meint Nemeth. Man feiere ja nicht oft 200. Geburtstag. Und trotz der stolzen Jahreszahl war es, in diesen sparsamen Zeiten, nicht leicht, Extrasummen zu lukrieren.

Von der zugesagten Sondersubvention etwa kam schließlich nur die Hälfte, was Nemeth gewisse noch offene Fragen beschert. Denn es ist ja so: "Große Namen sorgen zwar für gute Auslastung. Ein Tenor wie Jonas Kaufmann bräuchte ja nur Hänschen klein zu singen, und es wäre voll. Aber wir wissen: Ein volles Haus heißt nicht, dass wir uns zurücklehnen können und in Gold schwimmen. Die Gagen werden nicht niedriger, und die Rahmenkosten steigen, da man versucht, Dinge bei Veranstaltern abzuladen."

Lustige Evaluierung

Da ginge es etwa um den Wunsch nach einer Hotelkostenpauschale oder "nach einer Limousine". Jedenfalls bemühe man sich, "für angenehme Atmosphäre zu sorgen. So kommen die Künstler gerne nach Graz, da wir eben auf Service Wert legen."

Das gehört natürlich zum Geschäft, das verstärkt auch die Künstlerbindung. Mühsamer sind laut Nemeth eher die regelmäßigen Evaluierungen, denen man sich auch in Form von auszufüllenden Fragebögen unterziehen müsse. "Diese werden immer länger; und da stehen dann auch Fragen wie: ,Wie nachhaltig ist Ihre Institution?' Ich schreibe dann: ,Wir existieren seit 200 Jahren - in etwa.'" Zumindest diesen kleinen Zusatzhinweis darf er sich in Hinkunft wohl ersparen. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 29.8.2014)

  • Michael Nemeth.
    foto: musikverein

    Michael Nemeth.

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