Betriebsklima braucht sorgsame Pflege

5. September 2014, 06:43
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Die Kultur als Bild des Gartens? Einfach drauf losgärtnern in der Unternehmenskultur ist keine gute Idee - die Ernte wird sehr wahrscheinlich enttäuschen. Die Schaffung eines Einheitsgartens ist auch nicht zielführend.

Die Arbeit an der Organisationskultur entspricht dem Bild des Gärtnerns. Jede Gartenart steht für eine spezielle Organisationskultur und jede davon ist einzigartig und drückt ihren Sinn aus. Doch bestimmte Bedürfnisse haben alle gemeinsam. Analog liefert eine werte- und haltungsorientierte Kultur Sonnenlicht, Wasser, Nährstoffe.

Gleichzeitig arbeiten in ihr Gärtner, die den Garten fachmännisch und konstruktiv pflegen, das Spezielle und Einzigartige kennen. Wichtig ist, die Gärtner innerhalb der Organisation zu suchen und zu finden. Unterstützung kann von außen kommen, aber verhindern Sie, dass Menschen einfach drauflosgärtnern

Es geht nicht darum, einen „Einheitsgarten“ zu schaffen, sondern den bestehenden Garten fachgerecht zu analysieren, was „ausgemistet“ werden muss, auch auszumisten, und vielleicht ein paar neue Samen zu säen, die Werkzeuge bereitzustellen, um den Garten noch schöner und gesünder werden zu lassen. Der Garten wird es mit üppiger Pracht danken. In Organisationen sind es Erfolge und das Erreichen von Kennzahlen. Wir müssen erkennen, dass wertebasierende Kooperation und die Bereitschaft zu ständiger Anpassung und Veränderung Erfolgsmotoren sind. Arbeit an der Kultur beginnt daher mit einer Analyse der Ist-Situation, erst im zweiten Schritt wird überlegt, was im Garten unbedingt verbleiben soll und was verändert werden muss. Die Ziele dabei:

  • effiziente und kooperative Zusammenarbeit,
  • Erhöhung des Handlungsspielraums,
  • verkürzte Entscheidungs- und Informationswege,
  • Minimierung der Störungen und somit Fehleranfälligkeit,
  • konstruktive Konfliktlösungen (win-win),
  • Vorantreiben von Weiter- und Neuentwicklungen,
  • ein Klima der Loyalität, des Commitments & Engagements,
  • Wachsamkeit für und Anpassung an Veränderungen (innerhalb und außerhalb der Organisation),
  • die Wahrnehmung als attraktiver Arbeitgeber,
  • das Einstehen für Haltungen und Werte.

Neue Ideen, tolle Entwicklungen, super Verkäufe - das alles braucht spezielle Rahmenbedingungen. Dafür brauchen wir Führungskräfte mit echtem Rückgrat. Menschen, die in der Lage sind, ein Team bei Niederlagen und Rückschlägen zu verteidigen und in Schutz zu nehmen.

Die Kunst ist es, die Motivation der Mitarbeiter so zu stärken, dass ihre innere Vision sie automatisch in Richtung Erfolg treibt. All dies ist Arbeit und kostet Energie, doch am Ende wartet eine Kultur, für die man gerne bereit ist, morgens aufzustehen und sein Bestes zu geben. (DER STANDARD, 30./31.8.2014)

Sabine Lengyel-Sigl ist Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologin, Gründerin von Resi Psychology und Autorin von "Corporate Awareness. Werte und die (R)Evolution der Arbeit" sowie "Diva Liebe. Unerwartet eins".

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