Innenministerium denkt erneut über Asyl-Zeltstädte nach

28. August 2014, 12:21
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Diakonie fordert statt dessen vorübergehend wieder mehr Flüchtlings-Aufnahmen im Lager Traiskirchen

Wien - In den vergangenen Wochen hätten beträchtlich mehr Menschen in Österreich um Asyl ersucht als in den Wochen und Monaten davor: eine Auswirkung vor allem des Bürgerkriegs in Syrien. "Um diesen Kriegsflüchtlingen Quartiere zur Verfügung zu stellen, wozu Österreich verpflichtet ist, appellieren wir dringend an die Länder, an NGOs und an private Unterkunftgeber, uns zusätzliche Plätze zur Verfügung zu stellen", sagte ein Ministeriumssprecher zu derStandard.at.

Sollte es auf diesem Weg nicht möglich sein, genügend Plätze finden, so sei "die Errichtung von Zeltstädten nicht ausgeschlossen", wiederholte der Sprecher die Ankündigung von vor einem Monat. Damals, Ende Juli und unmittelbar nach dem Inkrafttreten des Aufnahmestopps der Bezirkshauptmannschaft Baden im Flüchtlingslager Traiskirchen, hatte sich, wie DER STANDARD berichtete, ein Ministeriumsbeauftragter erstmals beim Roten Kreuz erkundigt, ob Zelte zu Verfügung stünden.

Diakonie winkt ab

Bei der evangelischen Diakonie reagiert Flüchtlingsdienst-Leiter Christoph Riedl ablehnend: "Wir haben keine Zusatzquartiere, alle unsere Unterkünfte sind voll". Die Asyl-Notunterkünfte der Diakonie seien vor mehreren Jahren sämtlich zu Grundversorgungsquartieren umfunktioniert worden. Zu den derzeit zur Verfügung gestellten Tarifen wiederum - 19 Euro pro Tag und Asylwerber - sei es unmöglich, neue Plätze zu schaffen.

Laut Riedl würde die Errichtung von Zeltstädten "Notstand signalisieren", von dem in Österreich jedoch nicht die Rede sein könne, "solange es in Traiskirchen Aufnahmekapazitäten gibt". Statt Zelte aufzustellen müsse daher "eine vorübergehende politische Übereinkunft erzielt werden, in Traiskirchen wieder mehr Flüchtlinge aufzunehmen".

Plus 50 Prozent im August

Laut Innenministerium ist die Zahl von Asylanträgen im August im Vergleich zum August 2013 um rund rund 50 Prozent gestiegen. Im heurigen Juli habe sich dieser Trend mit plus 25 Prozent im Vergleich zum Juli des Vorjahres bereits angekündigt. Vergangene Woche habe es 610 Anträge gegeben, allein am Mittwoch seien es 127 gewesen. (bri, derStandard.at, 28.8.2014)

  • Zeltstädte wie im deutschen Duisburg kann sich auch das österreichische Innenministerium für die Unterbringung von Asylwerbern vorstellen.
    foto: epa/matthias balk

    Zeltstädte wie im deutschen Duisburg kann sich auch das österreichische Innenministerium für die Unterbringung von Asylwerbern vorstellen.

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