Einkaufspositionen werden mächtiger

5. September 2014, 06:36
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Strategischer Einkauf und Optimierung entlang der Wertschöpfungskette seien zentrale Themen für Einkäufer. Mit den steigenden Anforderungen habe sich das Berufsbild verändert, akademische Ausbildungen sind gefragt

Nicht erst seit der anhaltenden schwächelnden Wirtschaft verändern sich die Aufgaben im Einkauf nachhaltig. "Strategischer Einkauf, Optimierung entlang der Wertschöpfungskette und ein leistungsfähiges, effizientes Supply Chain Management werden zu zentralen Themen im globalen Wettbewerbsumfeld“, sagt Heinz Pechek, geschäftsführender Vorstand im BMÖ (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich). Der Einkauf werde zum zentralen strategischen Instrument der Unternehmen um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern, ist er überzeugt.

Strategisches Instrument

Warum der Einkauf zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor werde, unterlegt Pechek anschaulich mit Zahlen: Bis zu 70 Prozent der Unternehmensleistung in produzierenden Betrieben werde zugekauft oder sei Fremdleistung, bis zu 50 Prozent der Herstellungskosten seien Materialkosten. Sich mit dem Zukaufsmanagement, dem Supply Chain Management und der Gestaltung der Wertschöpfungskette auseinanderzusetzen, werde für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend sein, ist Pechek überzeugt.

Mit den steigenden und komplexeren Aufgaben im Einkauf, habe sich auch das Anforderungsprofil verändert und Mitarbeiter mit akademischen Abschluss werden für diese Positionen immer stärker nachgefragt. Der Anteil an Akademikern im Berufsumfeld Einkauf sei derzeit noch sehr gering. Aber in vielen Unternehmen wurde bereits ein Umdenkprozess eingeleitet, den Einkauf durch entsprechende Karrieremöglichkeiten auch für junge Akademiker attraktiver zu gestalten. Die besseren Karrierechancen, wenn es um den Aufstieg in Führungspositionen geht, haben Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen schon jetzt.

Mehr Verantwortung

Mit dem sich ändernden Berufsbild gehe auch mehr Verantwortung einher. Für Pechek können Einkäufer neben dem Beitrag zur wirksamen Sicherung des Unternehmens sowie zum ökologischen wirtschaften entlang der Supply Chain vor allem auch einen Beitrag zur Erhaltung und zum Ausbau der Kosten-, Qualitäts- und Techonologiekompetenz sowie zur optimalen Nutzung der Potenziale entlang der Wertschöpfungskette leisten. Dafür brauche es neben den Hard Skills wie betriebswirtschaftlichem und technologischem Know-how, makroökonomischem und juristischem Wissen auch Leadershipfähigkeiten, Durchsetzungskompetenz, Verhandlungsstärke sowie die Bereitschaft, sich ständig Neuem zu stellen.

Das sich verändernde Berufsbild wurde durch die Wirtschaftskrise deutlich sichtbar. "Überall dort, wo die Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Einkäufern partnerschaftlich im Sinne eines modernen Supplier-Relationshipmanagements gelebt wurde, wurden für beide Seiten akzeptable Lösungen gefunden“, sagt Pechek. An diesem Supplier Relationship werde auch der Paradigmenwechsel im Einkauf am deutlichsten sichtbar. Der Zulieferer werde nicht mehr als reiner Erfüllungsgehilfe sondern als Partner gesehen.

Für ihn ist der Einkauf, einer der spannendsten Berufe, weil man permanent in einer sich verändernden Umgebung Lösungen finden müsse. Dafür brauche es Kreativität und Neugier. „Ohne Neugier gibt es keinen erfolgreichen Einkauf“, sagt Pechek. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 31.8.2014)

Am 9. und 10. Oktober findet das Österreichische Einkaufsforum 2014 im Haus der Industrie in Wien statt. Anmeldung und Infos: bmoe.at

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