WHO erwartet bis zu 20.000 Ebola-Infizierte

Video28. August 2014, 12:05
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Bisher starben 1.552 Menschen an der Krankheit

Freetown/Conakry/Lagos - Die Ebola-Epidemie in Afrika soll laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) binnen sechs bis neun Monaten gestoppt werden. Die Zahl der Infizierten könnte bis dahin auf bis zu 20.000 steigen. Das geht aus einem Notfallplan hervor, den die Organisation am Donnerstag in Genf vorgestellt hat. Die Bekämpfung der Epidemie dürfte im kommenden halben Jahr mehr als 370 Millionen Euro kosten.

Die Zahl der bestätigten und Verdachtsfälle ist bis zum 26. August in den Ländern Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone nach WHO-Angaben auf insgesamt 3.069 gestiegen. 1.552 Erkrankte starben. Tatsächlich könne die Zahl zwei- bis viermal so hoch liegen, warnte die Organisation.

storyful, caroline van nespen/msf
Eine Ärztin von "Ärzte ohne Grenzen" berichtet über den rasanten Anstieg der Erkrankungen in Liberia.

Ziel des Notfallplans ist es, dass die Infektionen in den besonders betroffenen Gebieten binnen drei Monaten nicht mehr steigen. Zudem müsse die Übertragung des Erregers in Haupt- und Hafenstädten gestoppt werden. Ein vollständiges Ende der Epidemie ist der WHO zufolge auch bei vollständiger Umsetzung des Notfallplans erst in sechs bis neun Monaten zu erwarten.

Unabhängiger Ausbruch

Bisher sind die Gegenmaßnahmen in Westafrika - speziell in Liberia, Guinea und Sierra Leone - nicht sehr erfolgreich gewesen. Ebola-Fälle wurden auch in Nigeria registriert, in der Demokratischen Republik Kongo ist es zu einem von den Erkrankungen in Westafrika und Nigeria offenbar unabhängig erfolgten Ausbruch gekommen.

In Nigeria wurde am Donnerstag das erste Ebola-Opfer außerhalb der Metropole Lagos registriert. Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu gab diese besorgniserregende Entwicklung bekannt. Das Opfer, ein Arzt, war am 22. August in dem Öl-Handelsplatz Port Harcourt im Rivers State gestorben. "Nachdem seine Witwe den Tod gemeldet hatte, haben wir den Fall gründlich untersucht, und die Laboranalyse zeigt, dass der Arzt an der Ebola-Viruserkrankung starb", sagte der Minister. Der Arzt hatte ein Ebola-Opfer behandelt.

"Chaotisch und völlig inadäquat"

"Der Notfallplan antwortet auf die dringende Notwendigkeit, die internationale Reaktion (auf die Epidemie; Anm.) dramatisch zu erhöhen. Fast 40 Prozent der bisher berichteten Erkrankungsfälle sind in den vergangenen drei Wochen aufgetreten", hieß es am Donnerstag in einer Aussendung der WHO. Priorität hätten jetzt Maßnahmen und Unterstützung für Behandlungszentren, die Mobilisierung sozialer Dienste und eine sichere Beerdigung der Verstorbenen. Mangel gebe es auch bei der Koordination der internationalen Hilfe und bei der Bereitstellung von Schutzkleidung.

Mittlerweile versuchen Hilfsorganisationen in Westafrika ihre Aktivitäten zu verstärken. "Ärzte ohne Grenzen (MSF) vergrößert schnell seine Aktivitäten in Liberia, da die internationale Reaktion auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika bisher chaotisch und völlig inadäquat ist", hieß es in einer Aussendung der Organisation. Man habe in der liberianischen Hauptstadt Monrovia ein neues Management-Zentrum für 120 Patienten eingerichtet und wolle die Kapazitäten weiter ausbauen.

Konzentration auf eigene Sicherheit

"Es ist völlig inakzeptabel, dass fünf Monate nach der offiziellen Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs erst jetzt Diskussionen auf internationaler Ebene über die Leitung und die Koordination (der Hilfsmaßnahmen; Anm.) beginnen. Jene Staaten, welche das Wissen und die Mittel für einen Umschwung in den betroffenen Ländern hätten, konzentrieren sich völlig auf die eigene Sicherheit", sagte Brice de la Vince, leitender Organisator der Aktivitäten bei MSF.

Währenddessen überwältige Ebola beispielsweise in der liberianischen Hauptstadt die Gesundheitseinrichtungen. Die meisten hätten zugesperrt. Die Angehörigen des Gesundheitswesens seien verängstigt, ebenso Patienten. Viele Menschen würden alleingelassen. Der beispiellose Anstrom von Patienten führe aber auch zu einer Reduktion der Qualität der Versorgung. So könnten auch in dem MSF-Zentrum in Monrovia keine intravenösen Therapien mehr verabreicht werden. Sie sind aber ein Kernpunkt in der symptomatischen Behandlung von Ebola-Patienten. Ähnlich wie in Monrovia gehe es auch in anderen betroffenen Regionen zu. (APA/red, derStandard.at, 28.8.2014)

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    foto: storyful, caroline van nespen/msf
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