Frankreichs Wirtschaftsminister: Der Mann, dessen Charme Steine erweichen kann

Kopf des Tages27. August 2014, 18:37
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Hollandes neuer Wirtschaftsminister Emmanuel Macron ist die Antithese zu Arnaud Montebourg

Hätte er sich nicht in die Politik verirrt, wäre Emmanuel Macron wohl ein idealer Schwiegersohn: aus gutem Haus, tadellos gebildet, dazu brillant und humorvoll. Doch fürs Erste ist der Eliteschulabsolvent der ideale neue französische Wirtschaftsminister.

Macron (36) ist die Antithese zu Arnaud Montebourg. Zwar zählt der neue Wirtschaftsminister wie der alte zum Parti Socialiste. Damit sind die Gemeinsamkeiten aber auch schon erschöpft. Er ist ein Technokrat der leisen, aber entschlossenen Töne; in der Partei gehört er zum rechten Flügel, und aus seinen sozialliberalen Überzeugungen macht er kein Hehl: Er sieht das Heil Frankreichs in der Senkung der Steuern und Staatsausgaben, einer allgemeinen Lohnmäßigung sowie der Liberalisierung geschützter Märkte und Branchen. Man sagt, er habe keine (partei-)politischen Ambitionen, sondern sei Hollande treu ergeben.

Philosophie-Studium

Der Arztsohn studierte Philosophie und absolvierte nebenbei die Eliteverwaltungsschule ENA. 2007 heiratete er seine ehemalige Französischlehrerin vom Jesuiten-Gymnasium, die um 20 Jahre älter ist als er.

Beruflich verschlug es ihn bald in die Wirtschaft: 30-jährig stieg er bei der Bank Rothschild ein. Dort zog er Fusionen durch und managte auch die Übernahme einer Pfizer-Tochter durch Nestlé. Macron gilt damit als einer der wenigen französischen Sozialisten, die Firmen- und Finanzabläufe von innen kennen.

In den Niederungen der Fabriken

2012 holte ihn Hollande als Wirtschaftsberater. Die zögerlichen Steuersenkungen Hollandes tragen Macrons Handschrift. Zugleich überwachte er die Abgabe von Alstom an General Electric. Im Juni aus dem Élysée ausgeschieden, um "persönliche Projekte" zu verfolgen, folgt er nun bereits wieder Hollandes Ruf ins Wirtschaftsministerium. Jetzt muss er in die Niederungen der Fabriken und der Politik hinuntersteigen. Und seine Gegner werden ihn nicht verschonen: Ein linker Abgeordneter der eigenen Partei hat den "liberalen" Jungminister schon als "Provokation" bezeichnet.

Mit der deutschen Regierung dürfte sich Macron hingegen besser verstehen als Montebourg. Zusammen mit Realo-Finanzminister Michel Sapin wird er in Berlin wie Brüssel aus einem Mund sprechen. Und seine Charme-Nummer abziehen: Laut einem Bekannten sei der Minister "fähig, einen Stein zu verführen". Damit verglichen, müsste die Erweichung der EU-Partner für den Franzosen wohl zu einem Kinderspiel werden. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 28.8.2014)

  • Emmanuel Macron ist neuer Wirtschaftsminister Frankreichs.
    foto: ap/ena

    Emmanuel Macron ist neuer Wirtschaftsminister Frankreichs.

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