Wenn Feminismus müde macht 

29. August 2014, 14:14
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Frauen als Hintergrunddeko, Feminismus im Burnout, echte Quote statt Arbeitsgruppe und Nagellack, der Vergewaltigung verhindern soll

Sexismus in Videospielen, Part 2: Auf "Feminist Frequency" präsentiert Anita Sarkeesian seit 2009 eloquent und klug Videos, in denen sie die Repräsentation von Frauen in der Popkultur analysiert. Im Rahmen der Reihe "The Tropes vs Women", in der sie sich der Darstellung von Frauen in Videospielen widmet, ist diese Woche die neueste Ausgabe erscheinen (nach deren Veröffentlichung sie erneut Morddrohungen bekam): "Frauen als Hintergrunddekoration" – wenig überraschend kann sie damit schon einen zweiten Teil füllen. Sarkeesian liefert mit dieser Reihe sehenswerte Analysen über Sexismus in der Popkultur und trägt damit zu Feminismus in ebendieser bei.

feministfrequency

Ausgebrannt: Unter dem Titel #müde schreibt Jennifer Fey über ein seit dem Frühjahr durch Blogs geisterndes Phänomen: das Burnout der Netzaktivistinnen. Einer der Gründe dafür: "virtuelle Gewalt" (die sie eben Anita Sarkeesian seit langem erlebt) und das Fehlen von messbaren Erfolgen – die vielen sexistischen Erfahrungen, die unter dem Hashtag #aufschrei getwittert wurden, passieren nach wie vor. 2013 erregte die Aktion viel Aufsehen. Doch ein Jahr später sei diese damals so medienpräsente Community nur mehr schwer auszumachen. Fey fragt, woran das liegt und ob das unbedingt etwas Schlechtes heißen muss.

Schützender Nagellack? Vier Studenten der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik der Carolina State Universtity wollen einen Nagellackt erfinden, der sich verfärbt, wenn er mit K.-o.-Tropfen in Berührung kommt: einfach den lackierten Finger in den Drink tauchen und ihn so auf die "Vergewaltigungsdroge" testen. Während die Facebook-Seite der Firma Undercover Colors, deren Produkt es noch gar nicht gibt, schon mehr als 35.000 Fans hat, sprechen KritikerInnen von der Gefahr einer Täter-Opfer-Umkehr. Der Fokus werde einmal mehr auf der Verhalten von Frauen gerichtet und was sie gegen Vergewaltigung tun können, anstatt die Gewalttäter zu adressieren.

Quote ohne Konsequenz: Nach dem Rücktritt von Michael Spindelegger war die Diskussion um die Quote in der SPÖ thematisch rasch überlagert. Nichtsdestotrotz hielt der Österreichische Frauenring in einer Aussendung nochmals fest: "Laut Parteistatuten hätte Sonja Ablinger aufgrund des ungleichen Geschlechterverhältnisses auf das Mandat von Barbara Prammer nachrücken müssen." Für Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des Frauenrings, steht fest, dass "das Bekenntnis der SPÖ zur Frauenförderung ein Lippenbekenntnis" bleibt. Dass Parteichef Werner Faymann nun zum Thema Frauenquoten eine Arbeitsgruppe einrichtet, sei eine "Farce", heißt es in der Aussendung. "Es gibt bereits klare Regeln im Statut, sie müssen nur eingehalten werden", so Pölzlbauer.

Ärger über "Bunte": Viele verärgerte Reaktionen gab es diese Woche wegen dem Magazin "Bunte". Ob die "kleine Harper" zu dick sei, stellte das Heft zur Debatte. Die Tochter von Victoria und David Beckham ist drei Jahre alt.

(red, dieStandard.at, 29.8.2014)

dieWochenschau versammelt einige feministische Debatten und Ereignisse der vergangenen Woche, die in Blogs, sozialen Medien oder anderen Zeitungen aufgetaucht sind.

  • Anita Sarkeesian beschäftigt sich mit Sexismus in Videospielen - weswegen sie immer wieder massiven Bedrohungen ausgesetzt ist.
    foto: screenshot/feminist frequency

    Anita Sarkeesian beschäftigt sich mit Sexismus in Videospielen - weswegen sie immer wieder massiven Bedrohungen ausgesetzt ist.

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