Radio-Quote: "Massiven Druck auf den ORF"

27. August 2014, 17:43
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SPÖ und Kulturschaffende fordern mit Nachdruck eine Mindestquote für heimische Musik sowie mehr Geld für österreichische Produktionen und kündigen Aktivitäten an

Wien - Ein Sonnenfenster am Dienstagnachmittag erlaubt es, dass sich die Besucher des Kreisky-Forums im 19. Bezirk im Garten versammeln. Rund 20 Vertreter der Film- und Musikindustrie sind auf Einladung der SPÖ-Politiker Elisabeth Hakel und Andreas Schieder gekommen, um ihre Forderung nach höherem Österreich-Anteil im ORF-Fernsehen und -Radio kundzutun. Der Himmel ist blau, die Stimmung geladen.

"Ich bin es leid, mir von irgendeinem Jungdutter sagen zu lassen, ob meine Musik geht oder nicht", schimpft der Musiker Thomas Rabitsch. "Das ist einer Kulturnation nicht würdig", empört sich Regisseur Peter Payer. Und Universal-Boss Hannes Eder ist "für massiven Druck auf den ORF".

Grund für die Erregung ist der nach Meinung der Kulturschaffenden existenzbedrohend niedrige Österreich-Anteil im ORF-Programm. Im April legte Hakel ihre Forderung nach einer Mindestquote für österreichische Musik im Radio und mehr Produktionsgeld für die österreichische Filmbranche vor. Was seither geschah:

  • In der Musikcharta verpflichtete sich der ORF zu 33 Prozent Ö-Anteil in seinen Radios. Ö3 soll bis 2014 eine Mindestquote von 15 Prozent erreichen. Der ORF suchte schon um Stundung an.

  • Ö-Musik spielen die ORF-Radios trotz freiwilliger Charta zu wenig: 16 Prozent waren es die letzten 30 Tage laut Film and Music Austria, auf Ö3 acht Prozent (siehe Grafik). Der "Lichtenegger-Effekt" (die Moderatorin Elke Lichtenegger hatte sich abfällig über österreichische Musik geäußert) währte nur kurz.

  • 20 Prozent von den ORF-Gebühren für österreichische TV-Produktionen fordern die Künstler per Gesetz. Im ORF sei Handlungsbereitschaft bisher nicht zu spüren, sagt Hakel.

    Das kommt:

  • Die Festplattenabgabe könnte im Oktober beschlossen werden.

  • 10.056 Unterstützer zählt eine Petition auf filmfernsehfreunde.at. Sie wird im Herbst im Kulturausschuss behandelt.

  • Stiftungsräte fordern in einer der nächsten Sitzungen Rechenschaft von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

  • Ein Gutachten soll Mitte September die Frage klären, ob eine Österreich-Quote vor allem auch EU-rechtlich möglich ist.

  • Maria Fekter sagte als ÖVP-Kultursprecherin Unterstützung zu und versprach ebenfalls Aktivität für den Herbst.

Dass sich etwas tun müsse, darin sind sich am Ende alle einig: "Keine österreichische Musik, keinen Film zu spielen, macht den ORF kaputt", sagt Autorin Eva Spreitzhofer. "Die Musiker werden sich schleichen", sagt Musiker Sammy Fischer: "So einen langen Atem kann man gar nicht haben." Das Wetter übrigens auch nicht. Am Ende des Abends ist der Himmel wie vorher - grau in grau. (Doris Priesching, DER STANDARD, 28.8.2014)

  • Zankapfel: Mindestquote für heimische Musik in den ORF-Radios.
    foto: orf/schafler

    Zankapfel: Mindestquote für heimische Musik in den ORF-Radios.

  • Radio bleibt unter Plan.
    foto: robert newald

    Radio bleibt unter Plan.

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