Auch Wölfe stecken sich beim Gähnen gegenseitig an

29. August 2014, 18:46
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Fähigkeit zum Mitgähnen bei sozial stärker verbundenen Individuen offenbar stärker

Tokio - Nicht nur Menschen und viele andere Säugetiere, sondern sogar ein Großteil aller Wirbeltiere tun es: Gähnen. Weniger weit verbreitet ist hingegen die Fähigkeit, vom Gähnen anderer angesteckt zu werden. Bisher ist dieses Phänomen außer beim Menschen bei manchen Menschenaffen beobachtet worden - und bei Hunden. Bei letzteren schrieben aber manche Forscher die Fähigkeit dem Umstand zu, dass die Tiere vom Menschen domestiziert wurden.

Nun gibt es neue Hinweise darauf, dass ansteckendes Gähnen im Tierreich weiter verbreitet ist als bisher angenommen: Forscher der Universität Tokio berichten Fachjournal "PLOS ONE" davon, dass auch im Wolfsrudel reihum gegähnt wird. Fünf Monate lang beobachteten und filmten Teresa Romero und ihre Kollegen das Verhalten von zwölf Wölfen in einem Gehege des Zoologischen Garten von Tama nahe der japanischen Hauptstadt. Dabei notierten sie genau, wann welches Mitglied des Rudels gähnte und wer es ihm nachtat. Gähnen bei möglichen Störungen wie etwa plötzlichen Geräuschen oder der Anwesenheit von Besuchern wurde aus der Analyse ausgeschlossen.

Weibchen anfälliger

Die Auswertung zeigte, dass die Wölfe sich tatsächlich anstecken ließen. Das Mitgähnen war umso ausgeprägter, je näher sich die betroffenen Tiere sozial standen. Generell ließen sich Weibchen von nahestehenden Artgenossen deutlich eher anstecken als Männchen, so die Forscher.

Ansteckendes Gähnen ist besonders deshalb interessant, weil es auf Empathie hindeuten könnte: Der Nachahmer fühlt sich gewissermaßen in die Situation des zuerst Gähnenden hinein, so eine These unter Biologen. Eine solche Fähigkeit war bisher bei Menschen, Schimpansen und Bonobos beobachtet worden, und zwar speziesübergreifend. Zwar hatten Versuche gezeigt, dass sich auch Hunde anstecken lassen - auch von Menschen; Kritiker hatten jedoch eingewendet, dies könne von der Domestikation und der Beobachtung von Menschen herrühren.

Diese Annahme halten die Forscher um Romero nun für widerlegt: "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ansteckendes Gähnen ein gemeinsames Erbe ist, das sich auch andere Säugetiere teilen", so die Forscherin. Die Ansteckungsfähigkeit zeige eine emotionale Verbindung zwischen Individuen und könnte, als Zeichen empathischer Beziehungen, im Tierreich weiter verbreitet sein als angenommen. (APA/red, derStandard.at, 29.8.2014)

  • Aufnahmen aus dem Zoologischen Garten von Tama bei Tokio.
    foto: teresa romero

    Aufnahmen aus dem Zoologischen Garten von Tama bei Tokio.

  • Die Bilder entstanden im Abstand von wenigen Sekunden.
    foto: teresa romero

    Die Bilder entstanden im Abstand von wenigen Sekunden.

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