Taucher glauben, legendäre Riesenglocke gefunden zu haben

27. August 2014, 12:12
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Die Dhammazedi-Glocke stammt der Überlieferung nach aus dem 15. Jahrhundert. Ob es sie wirklich gibt, ist aber nicht gesichert

Rangun - Eine Tauchmannschaft in Myanmar will eine sagenumwobene Bronzeglocke im Rangun-Fluss gefunden haben: Die Dhammazedi-Glocke aus dem 15. Jahrhundert, die der Überlieferung nach fast 300 Tonnen wiegen soll, sei in den trüben Strömungen ausfindig gemacht worden, versicherte Teamleiter San Lin am Dienstag.

Unterschiedliche Herangehensweisen

Nachdem die Drachengeister des Flusses um Erlaubnis gebeten worden seien, könne er nun "definitiv verkünden: Wir haben die Dhammazedi-Glocke gefunden". Eine unabhängige Bestätigung für diese Behauptung gab es zunächst nicht. San Lin will die Glocke in dem kommenden Tagen bergen lassen.

Dutzende Schwimmer hatten sich nur mithilfe von Taucherbrillen und Sauerstoffschläuchen, aber ohne High-Tech-Ausrüstung auf die Suche im Fluss begeben. Statt technischen Geräts setzten sie auf spirituelle Praktiken zur Besänftigung der Drachengeister, die der Legende nach die Glocke bewachen. Chit San Win von der nationalen Geschichtskommission Myanmars mokierte sich über diese esoterische Herangehensweise der Tauchmannschaft: Die Glocke könne durch systematische Forschung und Organisation gefunden werden, "nicht aber auf diesem Weg".

Historischer Hintergrund

Schon seit langem versuchen sich Glücksritter auf der Suche nach der verschollenen Riesenglocke, die im 17. Jahrhundert von einem portugiesischen Söldner aus Ranguns Shwedagon-Pagode gestohlen worden sein soll. Das Boot, auf dem die Glocke angeblich transportiert wurde, versank der Legende nach in den Tiefen des Rangun-Flusses.

Historiker gehen davon aus, dass die Glocke im Jahr 1484 vom Oberhaupt des Volkes der Mon, König Dhammazedi, der Pagode als Geschenk vermacht wurde. Zur damaligen Zeit herrschte der König über den südlichen Teil des heutigen Staates Myanmar. Den Überlieferungen nach soll die Glocke 270 bis 294 Tonnen wiegen - die Angaben schwanken. Bisher gilt aber nicht einmal die bloße Existenz der Glocke als zweifelsfrei erwiesen. (APA/red, derStandard.at, 27.8.2014)

  • Das Tauchunternehmen hat bereits hunderte Schaulustige angezogen - zu sehen gibt es vorerst allerdings noch nichts.
    foto: ap photo/khin maung win

    Das Tauchunternehmen hat bereits hunderte Schaulustige angezogen - zu sehen gibt es vorerst allerdings noch nichts.

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