USA: Russland lenkt Gegenoffensive der Rebellen in Ostukraine

28. August 2014, 05:55
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Moskau soll weitere Panzer und Raketenwerfer tief in den Osten der Ukraine geschickt haben, dementiert aber Annexionspläne

Kiew/Washington - Russland hat nach Angaben der US-Regierung weitere Panzerkolonnen, gepanzerte Fahrzeuge und Raketenwerfer in die Ukraine geschickt. Russische Truppen seien 50 Kilometer hinter der Grenze auf ukrainischem Boden entdeckt worden, ohne dass Details des Einsatzes bekannt wären, teilte das Außenministerium am Mittwoch mit. Moskau "lenke" offenbar eine Gegenoffensive der Rebellen in der Ostukraine, hieß es.

Außenamtssprecherin Jen Psaki begründete diese Einschätzung am Mittwoch unter anderem mit dem Eindringen der russischen Soldaten. "Dieses Eindringen deutet darauf hin, dass es offenbar eine von Russland gelenkte Gegenoffensive in Donezk und Luhansk gibt."

Die USA seien wegen dieser Entwicklung "tief beunruhigt", sagte Psaki. Sie warf Moskau zudem vor, "nicht die Wahrheit sagen zu wollen, selbst nachdem russische Soldaten 30 Meilen (48 Kilometer) tief in der Ukraine entdeckt wurden". Zudem seien russische Soldaten zur Beerdigung zurück in ihr Heimatland gebracht worden.

Mariupol im Visier

Dass Russland sich zunehmend auf den Süden der Grenze zur Ukraine zu konzentrieren scheint, schürt Befürchtungen über einen Einmarsch in der Hafenstadt Mariupol. Das ukrainische Militär hatte bereits die Vermutung geäußert, dass dort eine "zweite Front" geschaffen werden solle. Die Separatisten wie auch Moskau hatten diese Vorwürfe zurückgewiesen. Die Region Mariupol ist die Landverbindung zwischen Russland und der im März annektierten Halbinsel Krim.

Zehn russische Fallschirmjäger festgenommen

Kiew wirft Russland seit Monaten vor, die Separatisten mit Kämpfern und Waffen zu unterstützen. Am Montag waren erstmals zehn russische Fallschirmjäger im Osten der Ukraine festgenommen und identifiziert worden.

Am Mittwoch vermeldete die ukrainische Armee, dass eine russische Militärkolonne mit hundert Panzern, Truppentransportern und Grad-Raketenwerfern auf ukrainischem Territorium unterwegs sei. Allerdings konnte der nationale Sicherheitsrat in Kiew diese Angaben am Abend nicht bestätigen.

Ukrainische Medienberichte über russische Soldaten

Laut ukrainischen Medienberichten hat ein von den ukrainischen Sicherheitskräften festgenommener russischer Soldat die Lieferung von Militärgütern an die Separatisten gestanden. Der 19-Jährige gehöre zu einer Schützenbrigade der russischen Armee, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch unter Berufung auf den Sicherheitsdienst SBU. Während der Befragung habe er eingeräumt, seine Einheit habe unter anderem Grad-Raketen und gepanzerte Fahrzeuge an die Rebellen weitergeleitet.

Demonstrationen in Kiew

In Kiew forderten hunderte Demonstranten am Mittwochabend Hilfe für eingekesselte Regierungstruppen in der Region Donezk. Nach Darstellung der Aufständischen sollen mehrere regierungstreue Freiwilligenbataillone eingekreist sein

Moskau dementiert geplante Annexion

Moskau wies erneut Vorwürfe einer geplanten Annexion der Gebiete Donezk und Luhansk zurück. "Wir sind nicht daran interessiert, den ukrainischen Staat zu zerstören", sagte Außenminister Sergej Lawrow. Allerdings dürften russische Bürger in der Ostukraine nicht benachteiligt werden.

Die Kämpfe gingen ungeachtet aller Appelle auch am Mittwoch weiter. Sowohl die ukrainische Armee als auch die Aufständischen sprachen von Geländegewinnen.

Russland dementiert Gaslieferstopp

Der russische Energieminister Alexander Nowak hatte zuvor ukrainische Vorwürfe über eine geplante Blockade des Gastransits nach Europa bestritten. Russland werde "größtmögliche Anstrengungen" unternehmen, seine Verpflichtungen gegenüber europäischen Unternehmen zu erfüllen, sagte Nowak am Mittwoch. Man sei zu konstruktiven Gesprächen mit Partnern bereit, auch mit der Ukraine.

Regierungschef Arseni Jazenjunk hatte zuvor gewarnt, Russland plane, im Winter die Gasversorgung der EU zu blockieren. Jazenjuk sagte am Mittwoch: "Wir kennen Pläne Russlands, selbst den Gastransit in die EU in diesem Winter zu blockieren." Rund die Hälfte der russischen Gaslieferungen an die EU fließt durch die Ukraine.

Parteiaustritt von Jazenjuk

Zwei Monate vor der Parlamentswahl am 26. Oktober ist Jazenjuk aus der Partei der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko ausgetreten. Auch Parlamentschef Alexander Turtschinow und der frühere Sicherheitsratschef Andrej Parubi hätten die Vaterlandspartei verlassen, teilte Innenminister Arsen Awakow am Mittwoch auf Facebook mit. Auch Awakow selbst trat demnach aus.

In Kiew wird nun über die Gründung eines Wahlblocks der Parteilosen spekuliert. Präsident Poroschenko hatte das Parlament am Montag vorzeitig aufgelöst und Neuwahlen angesetzt. Er verspricht sich davon mehr Stabilität im Land. (APA, 28.8.2014)

  • Die gefangenen russischen Soldaten werden bei einer "Pressekonferenz" vorgeführt.

    Die gefangenen russischen Soldaten werden bei einer "Pressekonferenz" vorgeführt.

  • Ukrainischer Soldat nahe der ostukrainischen Stadt Luhansk.
    foto: reuters/gleb garanich

    Ukrainischer Soldat nahe der ostukrainischen Stadt Luhansk.

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    quelle: apa
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