Erster Ebola-Patient aus Afrika nach Deutschland gebracht

27. August 2014, 11:05
46 Postings

Spezialflugzeug am Hamburger Flughafen gelandet - WHO zieht Mitarbeiter in Sierra Leone ab

Freetown/Conakry/Lagos/Abuja - In Deutschland wird erstmals ein Ebola-Patient behandelt. Ein Flugzeug mit einem Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation(WHO), der sich in Sierra Leone mit der Seuche infiziert hat, landete am Mittwoch auf dem Hamburger Flughafen. Der Epidemiologe aus dem Senegal soll auf der Isolierstation des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) betreut werden.

Das Flugzeug wurde von einem Infektionsrettungswagen der Hamburger Feuerwehr erwartet, der speziell für hochinfektiöse Patienten ausgelegt ist. Mit einem Konvoi mehrerer Feuerwehrfahrzeuge und unter Polizeischutz sollte der Wissenschafter zum UKE geleitet werden.

Bereits im Juli war das Klinikum von der WHO in Alarmbereitschaft versetzt worden. Ein Arzt, zu dessen Behandlung die Organisation eine Anfrage gestellt hatte, war jedoch transportunfähig. Sein Zustand verschlechterte sich zunehmend, bis der Mediziner verstarb.

WHO zog Helfer aus Labor in Sierra Leone ab

Nach der Ebola-Infektion eines ihrer Mitarbeiter in Sierra Leone hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Helfer aus einem Labor in dem westafrikanischen Land abgezogen. Bevor sie zurückkehren, solle geklärt werden, wie es zu der Infektion kommen konnte, teilte der WHO-Koordinator für Sierra Leone, Daniel Kertesz, in Freetown mit.

Ob es sich bei dem Infizierten um jenen WHO-Mitarbeiter handelt, der am Mittwoch im Universitätskrankenhaus Hamburg erwartet wird, war zunächst nicht zu klären.

Stresssituation für Mitarbeiter

Am vergangenen Wochenende hatte sich nach Angaben der Organisation in deren Laborzentrum in der Stadt Kailahun nahe der Grenze zu Guinea ein WHO-Mitarbeiter unter bisher unklaren Umständen mit dem Ebola-Virus infiziert.

Seit diesem Vorfall hätten die anderen Helfer "eine traumatische Zeit" durchgemacht, erklärte Kertesz. "Nach wochenlangem heroischen Einsatz für Patienten mit Ebola sind sie erschöpft. Wenn dann noch eine solche Stresssituation hinzukommt, erhöht sich das Risiko von Unfällen."

Nigeria verschiebt Schulstart

Nigeria hat wegen Ebola den anstehenden Schulstart um einen Monat verschoben. Der Unterricht werde statt Mitte September erst Mitte Oktober wieder aufgenommen, erklärte Bildungsminister Ibrahim Shekarau am Dienstag. "Alle öffentlichen und privaten Schulen bleiben bis zum 13. Oktober geschlossen."

In der gewonnenen Zeit sollten "Vorsichtsmaßnahmen" ergriffen werden, um die Schüler vor Ebola zu schützen. Eigentlich hätte die Schule landesweit am 15. September wieder beginnen sollen.

13 Krankheitsfälle in Nigeria

Westafrika leidet derzeit unter einer Ebola-Epidemie, die Ausbreitung des tödlichen Virus' konnte bisher nicht gestoppt werden. Der Erreger löst hämorrhagisches Fieber aus, das in vielen Fällen zum Tod führt. In Nigeria wurden 13 Fälle der Krankheit bestätigt. Insgesamt starben seit Beginn des Jahres in Nigeria, Guinea, Liberia und Sierra Leone mehr als 1.400 Menschen an dem Virus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte die Epidemie inzwischen zum Gesundheitsnotfall und ließ den Einsatz noch nicht erprobter Medikamente und Impfstoffe in den betroffenen Ländern zu. (APA, 27.8.2014)

  • Eine #BringBackOurGirls-Aktivistin hält in Abuja eine Kerze bei einem Gedenken der Ebola-Opfer.
    foto: reuters/afolabi sotunde

    Eine #BringBackOurGirls-Aktivistin hält in Abuja eine Kerze bei einem Gedenken der Ebola-Opfer.

Share if you care.