Mitterlehner - Django, liberal und pragmatisch

Kopf des Tages26. August 2014, 21:19
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Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner als neuer Obmann der Volkspartei designiert

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass just Reinhold Mitterlehner (58) jetzt die gebeutelte ÖVP übernimmt. Wo er doch 2008 nur durch Intervention seines Landesparteichefs, Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer, zum Wirtschaftsminister avancierte. Denn der damalige Statthalter im ÖVP-Chef-Schleudersitz, Josef Pröll, wollte eigentlich den Steirer Herbert Paierl für dieses Amt. Aber Pühringer wollte Mitterlehner - und bekam ihn.

Damit hatte die ÖVP einen Minister, der irgendwie immer wie die wandelnde bessere Alternative zum jeweiligen Parteichef wirkte. Mitterlehner - Selbstbeschreibung: "geradeaus, konsequent, nicht über zehn Ecken" bzw. "pragmatischer Verhandler" - war immer einen Tick zu liberal für die ÖVP-Linie, zu wenig engstirnig in der Ausländerfrage, zu reformaffin in der Schulpolitik, ja, er forderte sogar eine Frauenquote in staatlichen Unternehmen.

Die Vertrauenswerte des promovierten Juristen mit dem ausgeprägten Selbstbewusstsein und der niedrigen Langeweiletoleranz stiegen schnell. Und auch bei der Konkurrenz kam der ÖVP-Mann, der Alleingänge nicht scheut und weder parteiintern noch -extern zu hemdsärmeligen Verbrüderungsszenen neigt, so gut an, dass die froh war, dass er "nur" Minister und nicht ÖVP-Chef oder gar Vizekanzler war, mit dem man sich direkt matchen müsste.

Der "extrovertierte Organisationstyp", wie der langjährige Wirtschaftskammerfunktionär sich beschreibt, tat derweil, was zu tun war: die Wirtschaftskrise im Sozialpartnergleichschritt mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) managen, Ruhe ausstrahlen, keine Mätzchen. Oder wie "Django" - Mitterlehners Couleurname in der katholischen Studentenverbindung Austro-Danubia - seinen Job definiert: "Im Prinzip ist Politik ja nichts anderes als Informationsmanagement, Organisation und die Umsetzung von Wertvorstellungen." Klartext: Wer's kann, kann's. Egal, in welchem Ressort. Er jedenfalls erarbeitete sich nach der umstrittenen Fusion von Wirtschafts- und Wissenschaftsressort schnell die Anerkennung der Hochschulszene.

Die "Distanziertheit", die viele im Wiener Politzirkel dem Vater dreier Töchter ankreiden, scheint übrigens lokal begrenzt. Das obere Mühlviertel ist auch politisch seine Heimat: Diesen Freitag wird im Gasthaus Bertlwiesers in Rohrbach Bundesminister Mitterlehner zum Sprechtag erwartet. Er kommt, so hat er es vor, als ÖVP-Chef. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 26.8.2014)

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