Salzburgs Jugendkultur im Aufbruch

27. August 2014, 09:59
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Sechs Jahre hingen Salzburgs Skater in der Warteschleife. Nun bekommen sie einen professionellen Skatepark. Auch für Sprayer findet die Stadt Platz. Graffiti gibt es fast nur auf legalen Flächen

Salzburg - Lange mussten Salzburgs Skater warten, im Herbst ist es endlich soweit: Ein professioneller, überdachter Skatepark eröffnet Ende Oktober unter der Hellbrunnerbrücke in Salzburg Süd. Es war ein steiniger Weg, bis sich die Szene bei der Stadt Gehör verschafft hat. Der für das Anliegen gegründete Verein "Rollbrett" hat es nach sechs Jahren geschafft und einen richtigen Profi nach Salzburg geholt.

Der amerikanische Skatepark-Designer Stefan Hauser hat die Pläne gezeichnet und ist auch während der Bauarbeiten vor Ort. Hauser hat schon zahlreiche Parks in Schweden, Puerto Rico und Oregon geplant. "Es ist wichtig, dass ein Profi bei der Umsetzung dabei ist. Die Details sind entscheidend, sonst droht ein erheblicher Qualitätsverlust", sagt Max Stamler, der Obmann des Vereins "Rollbrett".

Die Qualität lässt sich die Stadt auch etwas kosten: 380.000 Euro werden in das Projekt "the cage" gesteckt. 2008 eröffnete der Skatepark erstmals als Provisorium. Die Rampen waren aus Holz, für Betonrampen fehlte das Geld. "Es war hoch an der Zeit, dass der Skatepark vollausgebaut wird", sagt Bürgerlisten-Gemeinderätin Ingeborg Haller. Der positive Nebeneffekt der Betonrampen: Die Lärmentwicklung ist geringer, was Probleme mit den Anrainern vorbeugt. Durch die Überdachung kann auch im Winter oder bei Schlechtwetter geskatet werden.

Graffiti-Unterführung

Auch für die Graffitisprayer gibt es einen Schlechtwetterplatz in Salzburg. Die Unterführung unter der Alpenstraße auf der Höhe der naturwissenschaftlichen Fakultät wird seit rund vier Jahren durch legale Artworks verschönert. Die Stadt Salzburg stellt den Sprayern Wände zur Verfügung, wo das sprühen offiziell erlaubt ist. "Seit es das Projekt Salzwand gibt, sind die illegalen Graffiti stark zurückgegangen", sagt Michael Töpfer, der mit seinem Verein "Way of Arts" in der Szene verankert ist. "Die Einzigen, die noch illegal sprayen, sind die jungen Kids, die sich was beweisen müssen und den Nervenkitzel brauchen."

Die legale Wand in der Unterführung ist bei den Sprayern besonders beliebt. Rund 600 Jugendliche haben in den vergangenen vier Jahren hier schon Graffiti gesprüht. Doch ob die Unterführung auch in Zukunft genutzt werden kann, ist noch unklar. Ein Zebrastreifen ersetzt die Unterführung. Das Land als Eigentümer der Straße überlegte, die Unterführung zu schließen. Nun versucht der Verein zusammen mit der Jugendbeauftragten der Stadt, Isabel Bojanovsky, eine Lösung zu finden.

Aufträge für Sprayer

Angedacht ist, zwei der vier Eingänge der Unterführung komplett zu schließen. Die anderen beiden Eingänge sollen mit einem Tor abschließbar gemacht werden. In der Früh würden die Tore geöffnet, am Abend wieder verschlossen werden.

Nicht nur auf den legalen Probierflächen, den sogenannten Salzwänden, sind die Graffiti in Salzburg gern gesehen - immer wieder bekommen die Sprayer Aufträge für dauerhafte Bemalungen. Erst in der Vorwoche seien sie mit einer Bahnunterführung in der Schwarzstraße fertig geworden, erzählt Töpfer. Der Auftrag kam von den ÖBB. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 27.8.2014)

  • Die legale "Salzwand" unter der Alpenstraße: Rund 600 Sprayer haben in den vergangenen vier Jahren hier schon Graffiti gesprüht. Die Szene hofft, dass die überdachte Wand erhalten bleibt.
    way of art

    Die legale "Salzwand" unter der Alpenstraße: Rund 600 Sprayer haben in den vergangenen vier Jahren hier schon Graffiti gesprüht. Die Szene hofft, dass die überdachte Wand erhalten bleibt.

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