Bitteres Jahr für Italiens Weinwirtschaft

27. August 2014, 05:30
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Das schlechte Wetter setzt den Reben zu, Rückgang bei Prosecco um bis zu 20 Prozent

Mailand - Nach drei Rekordjahren entwickelt sich 2014 zum bitteren Jahr für Italiens Weinwirtschaft. Vor allem in Norditalien, wo der Landwirtschaftsverband Coldiretti aufgrund der Wetterverhältnisse mit einer bis zu 30 Prozent verringerten Ernte im Vorjahresvergleich rechnet. Besonders die Weißweine, vom Chardonnay bis zum Pinot Grigio, sind betroffen.

"Zwischen den Reben wachsen weiße Pilze, nicht nur die Quantität, auch die Qualität leidet unter den ununterbrochenen Regenschauern im August", berichtet Giuseppe Cescon, 39-jähriger Winzer aus Treviso. "Wir haben uns bemüht, gegen den zu warmen Winter und Frühling anzukämpfen, doch die Feuchtigkeit im Juli und August bedeutet für unsere Weinwirtschaft ein Drama. Die Reben beginnen zu schimmeln."

Venetien zählte mit neun Millionen Hektoliter Wein im Vorjahr zur weinreichsten Region. Insgesamt wurden 2013 rund 45 Millionen Hektoliter Wein in Italien abgefüllt. Die Anbaufläche macht insgesamt 650.000 Hektar aus. Der Umsatz belief sich im Vorjahr auf geschätzte zehn Milliarden Euro. Laut Coldiretti beschäftigen sich in Venetien mehr als 200.000 Unternehmen mit Wein.

Immer mehr Jungunternehmer

In den letzten Jahren ist der Weinanbau nicht nur zur Anlageattraktion für Banken (Monte die Paschi di Siena) und Versicherungen (Allianz, Generali) geworden. Immer mehr Jungunternehmer widmen sich - auch mangels anderer Arbeitsmöglichkeiten - der Weinwirtschaft.

Abgesehen von der geringeren Produktion, die angesichts allgemeiner Überproduktion von Wein nicht so schwer ins Gewicht fällt, sind aber die Kosten für den Weinanbau in dieser Saison erheblich gestiegen. Bedingt durch die Feuchtigkeit wurden wesentlich mehr Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt.

Die Winzer von Venetien und Friaul-Venetien haben bereits bei der EU-Kommission einen Antrag für eine höhere Verzuckerung gestellt. Die Weinbauern im Süden Italiens melden zwar auch bis zu 20 Prozent weniger Ernte, aber in guter Qualität.

Unwetter vernichtete Prosecco-Reben

Dem Unwetter zum Opfer fiel auch ein Teil der Prosecco-Ernte. Hagel und Überschwemmungen zerstörten Anfang August einen Teil der Prosecco-Weingärten. Der Schaum- und Perlwein wird als Qualitätsprosecco in einer kleinen Region rund um Treviso aus der Rebsorte Prosecco gekeltert.

Diese Rebsorte wurde inzwischen in Glera umbenannt: Die Marke Prosecco ist seit 2010 einzig dem Schaum-und Perlwein vorbehalten. Im Vorjahr hat das Prosecco-Geschäft einen Rekordumsatz von 250 Millionen Euro erreicht. Für heuer befürchten die Winzer einen Rückgang um bis zu 20 Prozent. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 27.8.2014)

  • Weniger Proseccotrauben heuer wegen Unwettern.
    foto: ap/darko bandic

    Weniger Proseccotrauben heuer wegen Unwettern.

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