Tim Labenda: Der nette Designer von nebenan

28. August 2014, 16:58
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Den Namen Tim Labenda darf man sich merken. Der deutsche Designer gilt mit seiner schlichten wie tragbaren Mode als Nachwuchstalent

Verstrubbeltes rotblondes Haar, von einem Ohr zum anderen ein breites Grinsen, Sneaker, Strickpulli und Bundfaltenhose. Die Rolle des netten Modedesigners von nebenan sitzt - der Rest auch. Tim Labenda steht im Kaufhaus Steffl vor den Kleiderstangen, an der seine Winterkollektion hängt.

Labenda streicht über die Strickstücke, zieht eine dunkelblaue Jacke mit nach außen gedrehten Nahtzugaben vom Bügel. Die Haptik sei für ihn essenziell. Deshalb hat die Kollektionsentwicklung für ihn vor etlichen Monaten beim Stoff begonnen. "Ich frage mich immer, welche Schnittführung das Material braucht." Die eigens entwickelten Strickoberteile mit Jacquardmuster wurden in Italien gefertigt, für eine Strickjacke wurden unterschiedliche Garne in unterschiedlicher Festigkeit verstrickt. "Ausgangspunkt war in dieser Saison die Idee versteinerter Diamantstrukturen." Für die Winterkollektion "Perelìn" hat sich der Designer nämlich von Michael Endes "Unendlicher Geschichte" inspirieren lassen. Die habe ihm als Kind seine Mutter kapitelweise im Irland-Urlaub vorgelesen. Tim Labenda, ein Träumer etwa? Alles andere als das.

Der gebürtige Rheinländer hat in den vergangenen Jahren ordentlich Gas gegeben. Begonnen hat Labenda mit Männermode, in Wien hängt seine zweite Saison für Frauen auf den Bügeln. Zuletzt wurden seine tragbaren Entwürfe in Berlin beklatscht - und nebenbei der Name Jil Sander fallengelassen. Dem Designer wird das gefallen, die Hamburger Designerin zählt er zu seinen Vorbildern. Schuld an solchen Vergleichen ist aber auch Christiane Arp, die dezente Chefredakteurin der deutschen "Vogue". Sie hatte Labenda ausgerechnet während seiner Teilnahme an der Sendung "Fashion Hero" des deutschen Senders ProSieben kennengelernt. Damals punktete der Designer bei den Einkäufern von Asos, Karstadt und S. Oliver noch mit schnittiger Männermode. Arp scheint den Braten schnell gerochen zu haben: Der Bub aus dem Ruhrpott, der versteht auch was von Frauen. Sie überzeugte ihn davon, dass es Potenzial für eine weibliche Labenda-Kundin gebe.

Jodie Foster & Julianne Moore

Was das für eine ist? Seine Kundin sei wohl auf der Suche nach ihm, wisse es nur noch nicht, grinst Labenda. Dabei hat er die Frau, für die er entwirft, schon sehr genau vor Augen: "Typ intellektuelle Galeristin, Frauen wie Jodie Foster oder Julianne Moore."

Wie seine Mode bei den Endkundinnen tatsächlich ankommt, kann Labenda in diesem Herbst das erste Mal so richtig austesten. Im Kaufhaus Steffl hängt ein Teil seiner Winterkollektion, für Zalando hat er zehn Stücke entworfen, die ab September online erhältlich sind. Berührungsängste kennt Labenda nicht. Zu seiner Teilnahme an der deutschen TV-Show "Fashion Hero" geht er heute allerdings auf Abstand: "Ich hatte bei 'Fashion Hero' fünf coole Wochen: witzig und realitätsnah. Die Werbesendung, die daraus gemacht wurde, hatte wenig damit zu tun." Dafür hat er wichtige Branchenkontakte gemacht: Christiane Arp lud ihn in den "Vogue Salon", eine Art elitäre Nachwuchsförderung anlässlich der Berliner Modewoche, ein. Und: Labenda hat sich in der ProSieben-Sendung auch die finanzielle Grundlage für sein eigenes Label erwirtschaftet.

Dabei habe er das Geschäftemachen gar nicht im Blut, lacht er. Die Finanzierung des eigenen Labels geht er trotzdem erstaunlich clever an: Preise über Preise - kaum einer scheint in kurzer Zeit so viele wie er eingeheimst zu haben. Schon seine Abschlusskollektion an der Fachhochschule Pforzheim sackelte 2012 drei Auszeichnungen ein, vor kurzem überwies ihm das Wiener Kaufhaus Steffl 10.000 Euro, zuletzt gewann er den mit 22.000 Euro dotierten ersten Preis beim Modewettbewerb "Start Your Fashion Business" der Berliner Senatsverwaltung.

Umzug nach Berlin

Und weil der Gewinner des Preises in Berlin leben muss, sitzt Labenda gerade auf gepackten Koffern. Sein Showroom zieht am 1. September von Würzburg in eine Kreuzberger Altbauwohnung. Ein Schnellschuss ist das nicht, Labenda hat Berlin gezielt anvisiert. Würzburg sei sehr ruhig - er habe sich lange vor der Entscheidung gedrückt, aber "wir müssen näher am Puls der Zeit sein". Mit einem Bein bleibt er dennoch in Würzburg. "Den Standort in Bayern aufzugeben wäre so etwas wie Selbstmord." Sein Team sitzt nach wie vor dort, auch an der Produktion im 60 Kilometer entfernten Königsberg hält er fest. Nur so könne Qualität gewährleistet werden.

Und die ist für Tim Labenda das A und O. Das kommt nicht von ungefähr. Er absolvierte eine dreijährige Schneiderlehre bei Hugo Boss, bevor er sein Modestudium an der Hochschule Pforzheim begann.

Schon damals switchte Labenda ziemlich smart zwischen den Welten, war mehr in der Weltgeschichte unterwegs als in Pforzheim: Er machte ein Auslandssemester in Kanada und ein Praktikum bei Kenneth Cole in New York. Nach dem Studium war er zwei Jahre lang in Wien Designassistent der Designerin Ute Ploier. Und auch wenn er mit seinem eigenen Label noch am Anfang steht, er weiß: "Erfolg bemisst sich nicht an der Presse, sondern an den Verkaufszahlen." Vielleicht hat Tim Labenda aus der Sendung "Fashion Hero" doch einiges mehr mitgenommen. (Anne Feldkamp, Rondo, DER STANDARD, 29.8.2014)

Begonnen hat der Rheinländer Tim Labenda (geb. 1985) mit Männermode, seit zwei Saisonen entwirft er auch für Frauen. In Wien gibt es seine Mode bei Steffl, online bei Zalando.

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Tim Labenda

  • Sitzt auf gepackten Koffern: Tim Labenda.
    foto: tim labenda

    Sitzt auf gepackten Koffern: Tim Labenda.

  • Ein Fotostudio mit Blattdeko: Tim Labenda präsentiert seine aktuelle Frauenkollektion in einem ungewöhnlichen Setting.
    foto: bastian jung

    Ein Fotostudio mit Blattdeko: Tim Labenda präsentiert seine aktuelle Frauenkollektion in einem ungewöhnlichen Setting.

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