Abdullah drohte mit Rückzug von Präsidentenwahl in Afghanistan

26. August 2014, 15:29
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Kandidat sieht Forderungen bei Neuauszählung missachtet

Kabul - Der afghanische Präsidentschaftskandidat Abdullah Abdullah hat mit seinem Rückzug von der Wahl gedroht, sollte das Verfahren zur Neuauszählung der Stimmen des umstrittenen Wahlgangs nicht geändert werden. Sollten seine Forderungen nicht bis Mittwochfrüh akzeptiert werden, ziehe sich Abdullah aus dem Prozess zurück, erklärte Fasel Ahmad Manawi von Abdullahs Wahlkampfteam am Dienstag.

Manawi kritisierte, dass Abdullahs Forderungen zur Ungültigmachung der Stimmzettel gewisser Wahllokale ignoriert worden seien. Seit Montag ist die Neuauszählung in die entscheidende Phase getreten, in der entschieden werden muss, welche Stimmzettel für ungültig erklärt werden.

Am Montag wurden 3.644 der insgesamt 23.000 Wahlurnen geprüft, doch wurden nur 74 davon aussortiert, während bei 697 weiteren eine Neuauszählung angesetzt wurde. "Solch ein Prozess ist nicht akzeptabel für uns und hat keinen Wert", sagte Manawi. Er bezeichnete das laufende Verfahren als "Witz". "Die Prüfung hat ergeben, dass es bei der Wahl weitreichende Fälschungen gab", betonte Manawi.

Abdullahs Rivale Ashraf Ghani ließ dessen Drohungen zum Rückzug von der Wahl als "irrelevant und unverantwortlich" zurückweisen. Das Verfahren sei in Abstimmung mit beiden Parteien und der UNO entschieden worden, sagte Ghanis Sprecher Tahir Saheer. Einmal festgelegt, könnten die Kriterien nicht mehr geändert werden. Abdullah war aus dem ersten Wahlgang im April als Sieger hervorgegangen. Erste Ergebnisse der Stichwahl gegen Ghani Mitte Juni zeigten jedoch, dass dieser deutlich in Führung lag. Abdullah warf ihm daraufhin Fälschung vor.

Unter Vermittlung von US-Außenminister John Kerry einigten sich beide Seiten schließlich auf eine komplette Neuauszählung der Stimmzettel. Sie sagten zudem zu, das Ergebnis zu akzeptieren und anschließend gemeinsam eine Einheitsregierung zu bilden. Der scheidende Präsident Hamid Karzai erklärte kürzlich, die Vereidigung seines Nachfolgers sei für den 2. September angesetzt und werde nicht verschoben. Der Streit um das Wahlergebnis droht das ohnehin konfliktgeplagte Land weiter zu destabilisieren und die Spaltung zwischen den Volksgruppen zu vertiefen. (APA, 26.8.2014)

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