Schlüssel aus 3D-Drucker können Hochsicherheitstüren aufsperren

6. September 2014, 15:20
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Ein Foto des Schlüssellochs reicht, um einen Plastik-"Schlagschüssel“ zum Entsperren zu produzieren

Dass 3D-Drucker das Leben von professionellen Einbrechern erleichtern können, ist keine Neuigkeit: Bereits in den vergangen Monaten mehrten sich Berichte, wonach unkompliziert Schlüsselduplikate erstellt werden konnten. Jetzt haben zwei Sicherheitsforscher allerdings eine Methode entwickelt, mit der passende Schlüssel produziert werden können, ohne dass der eigentliche Schlüssel als Vorlage benötigt wird – vielmehr reicht ihnen das abfotografierte Schlüsselloch.

Zum Aufsperren hämmern

Denn anschließend erstellen die zwei Forscher einen sogenannten "Schlagschlüssel“: Dabei handelt es sich um einen speziellen Schlüssel, der nicht exakt ins Schloss passen muss – sondern nur grundsätzlich über dasselbe Profil verfügen muss. Ist der Schlagschlüssel dann eingerastet, wird mit einem Hammer – daher der Name – geklopft, sodass sich die versperrenden Stifte des Schlosses lösen. Anschließend kann die Tür geöffnet werden.

Nicht viel Aufwand

Solche Schlagschlüssel können nun sehr einfach mit 3D-Druckern nachgebaut werden. Die seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts gebräuchliche Einbruchstechnik könnte so eine Renaissance erleben, analysiert Wired. Denn selbst Hochsicherheitsschlösser sind vor den Schlagschlüsseln nicht sicher: Dazu muss vor dem 3D-Druck allerdings auch das Schlüsselloch befühlt werden, um Abstände zwischen den einzelnen Stiften abzumessen. Aber auch das ist nicht viel Aufwand, so Jos Weyers und Christian Holler, die ihre Erkenntnisse nächsten Monat auf der Sicherheitskonferenz Lockcon vorstellen werden.

Arbeit mit Behörden

Nähere Details zu ihrem Experiment wollen sie aber nicht publik machen, da ihre Studie nicht als Anleitung für Einbrecher zu verstehen sei, so die zwei Forscher. Vielmehr arbeiten sie aktiv mit den Behörden zusammen und warnen Hersteller vor den Lücken. "Ein geschütztes, geheimes Profil ist für Schlösser nicht mehr länger ausreichend“, so die Forscher.

Hersteller: "Realitätsfern"

Die Hersteller selbst wollten sich großteils nicht zu den Erkenntnissen äußern, die schwedische Firma Assa Abloy gab aber gegenüber Wired bekannt, dass die Studie zwar interessant sei, aber wenig Auswirkungen habe. Denn tatsächlich würden Einbrecher keinen solchen Aufwand betreiben, um Schlösser zu knacken. Das sehen die beiden Forscher nicht so: Sie argumentieren, dass 3D-Druck noch billiger und verbreitet werden wird – ein Schlagschlüssel kostet schon jetzt nur 5 Euro in der Herstellung. (fsc, derStandard.at, 6.9..2014)

  • Ein Plastik-Schlagschlüssel aus dem 3D-Drucker kann auch Hochsicherheitsschlösser aufknacken
    foto: screenshot

    Ein Plastik-Schlagschlüssel aus dem 3D-Drucker kann auch Hochsicherheitsschlösser aufknacken

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