Verhalten bei Badeunfällen: "Sich nicht selbst in Gefahr bringen"

Interview26. August 2014, 14:11
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Wie man sich bei Badeunfällen richtig verhält, worauf es bei Erste-Hilfe-Maßnahmen ankommt und wie man vorbeugt, erklärt der Vorarlberger Wasserretter Sebastian Hellbock

STANDARD: Wie soll man reagieren, wenn man beobachtet, dass jemand zu ertrinken droht?

Hellbock: Zuerst um Hilfe schreien, vielleicht befinden sich in unmittelbarer Umgebung Ersthelfer. Dann sofort die 144 anrufen. Dabei ist sehr wichtig, dass man eine genaue Ortsangabe macht und eine Rückrufnummer angibt. Von diesem Ort sollte man sich keinesfalls entfernen, damit man den Einsatzkräften von dort aus schildern kann, wo man die Person in Not gesehen hat.

STANDARD: Entfernungen im offenen Gewässer lassen sich schlecht einschätzen. Gibt es einen Trick?

Hellbock: Man kann sich Landmarken setzen. Man zieht von seinem Standpunkt aus über jenen Punkt, an dem man die Person untergehen gesehen hat, hinaus eine Linie zu einem Bauwerk, einem Baum im Hintergrund. Mit dieser Peillinie kann man die Entfernung besser einschätzen. Möglichst exakte Angaben sind deshalb so wichtig, weil die Sichtverhältnisse unter Wasser meist sehr schlecht sind. Tauchen die Retter an der falschen Stelle, kostet das wertvolle Zeit.

STANDARD: Wie helfe ich bei einem Schwächeanfall im Wasser?

Hellbock: Sind Sie in Ufernähe und können noch stehen, dann können Sie, vielleicht mit der Hilfe anderer Badegäste, die Person ans Ufer bringen. Schwimmen Sie weiter draußen und haben keine Ausbildung als Rettungsschwimmer, kann die Situation gefährlich werden. Denn Ertrinkende geraten in Panik. In so einem Ausnahmezustand versucht man sich an allem, was sich bietet, nach oben zu ziehen. Das kann auch der Helfer sein, da kommt man dann sehr schnell selbst in Bedrängnis. Beherrscht man Befreiungs- und Abschleppgriffe nicht, sollte man Abstand halten. Wenn es die Möglichkeit gibt, eine Luftmatratze, eine Schwimmhilfe oder auch einen starken Ast zum Anhalten reichen.

STANDARD: Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sind zu setzen?

Hellbock: Notfallcheck machen, die Atmung überprüfen. Wenn nötig, Mund und Atemwege freimachen. Atmet die Person, bringt man sie in stabile Seitenlage. Fehlen Atmung und Puls, muss man rasch mit Beatmung und Herzdruckmassage beginnen.

STANDARD: Wie kann man Badeunfällen vorbeugen?

Hellbock: Bei Kleinkindern, indem man sie nie aus den Augen lässt und die Schwimmflügel in der Nähe des Wassers nicht abnimmt. Auch nicht in der Sandkiste oder Liegewiese neben dem Becken. Für weniger geübte Schwimmer gilt: nie zu weit hinausschwimmen - und nie allein. Lieber parallel zum Ufer schwimmen. (Jutta Berger, DER STANDARD, 26.8.2014)

Sebastian Hellbock (35) ist Geschäftsführer und Landeseinsatzleiter der Vorarlberger Wasserrettung.

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  • Kleinkindern sollte man die Schwimmflügel auch in der Sandkiste und auf der Liegewiese neben dem Becken nicht abnehmen, rät Wasserretter Sebastian Hellbock.
    foto: privat

    Kleinkindern sollte man die Schwimmflügel auch in der Sandkiste und auf der Liegewiese neben dem Becken nicht abnehmen, rät Wasserretter Sebastian Hellbock.

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