Karriere nach Maß im Dienste der Partei

25. August 2014, 18:35
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Doris Bures (52) soll Nationalratspräsidentin werden.

Die Nominierung von Doris Bures zur Ersten Nationalratspräsidentin wird von schweren Querelen über die Frauenpolitik innerhalb der eigenen Partei überschattet. Dass die Männer in der Partei auf die Quotenregelung pfeifen, muss auch Bures schmerzen. Immerhin war sie selbst von 2007 bis 2008 Frauenministerin. Allerdings ist die 52-jährige Wienerin viel zu loyal, um ihre Kritik öffentlich zu machen.

Die Treue zur Partei und die Loyalität zum Parteichef - erst zu Alfred Gusenbauer, jetzt zu Werner Faymann - gehören zu ihren herausragenden Eigenschaften als Politikerin. Bures ist pragmatisch, manchmal etwas ruppig. Neben den Parteiinteressen hat sie immer auch ihre eigenen im Blick. Und sie lacht gerne, auch laut. Ihre gelegentlich etwas schrille Stimme trägt dazu bei, dass man sie auch gut hört. Ihre Karriere hat sie sich jedenfalls mit viel Fleiß erarbeitet.

24 Jahre lang war Bures mit dem Medienmanager Wolfgang Jansky liiert, von dem sie sich 2008 trennte. Die beiden haben eine erwachsene Tochter.

Wie Faymann kommt Bures aus Wien-Liesing, wo sie in den 1990er-Jahren erste politische Erfahrungen im Bezirksparlament sammelte. Den jetzigen Kanzler kennt sie noch aus gemeinsamen Zeiten bei der Sozialistischen Jugend. Sie gilt als eine der wenigen Vertrauten Faymanns, was wohl mit ein Grund ist, warum er sie ins Nationalratspräsidium schickt: Er will die Achse ins Parlament stärken, und auf die Doris ist Verlass.

Bures hat eine sozialdemokratische Traumkarriere hinter sich. Sie wuchs mit der alleinerziehenden Mutter und den fünf Geschwistern in Liesing auf und begann als Zahnarztassistentin zu arbeiten, um ihr eigenes Einkommen zu sichern. Über das Bezirksparlament und die Partei kam sie zur Wiener Mietervereinigung, wurde deren Vorsitzende, 1990 zog sie in den Nationalrat ein. Gusenbauer machte sie im Jahr 2000 zur SPÖ-Bundesgeschäftsführerin, er wurde 2007 Kanzler, sie Ministerin. Beides war von kurzer Dauer. Nach Gusenbauers Demontage musste sie als Krisenmanagerin zurück in die Parteizentrale. Die SPÖ hielt trotz Verlusten den ersten Platz, Bures wurde im Dezember 2008 Infrastrukturministerin - und blieb das erstaunlich lange.

Als Nationalratspräsidentin wird Bures nicht zuletzt durch die Reform des U-Ausschusses gefordert sein. Wenn sie das besteht, sind weitere Karriereschritte nicht ausgeschlossen - hin zum Wiener Rathaus oder Richtung Hofburg. (Michael Völker, DER STANDARD, 26.8.2014)

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