Ex-WTO-Chef Lamy als Minister-Nachfolger gehandelt 

25. August 2014, 17:48
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Lamy sieht Reformbedarf in Paris: "80 Prozent der Probleme sind hausgemacht"

Pascal Lamy hat ein Buch geschrieben, das im März erschien: "Quand la France s'éveillera" (übersetzt: "Wann Frankreich aufwachen wird"). Der langjährige EU-Kommissar unterstützt in dem aktuellen Konflikt eher Deutschlands Ruf nach mehr Budgetdisziplin: "Die französischen Probleme bestehen nicht wegen der Sparpolitik. Frankreich hat seit 40 Jahren Probleme mit dem Budget. Es gab seit 1974 keinen ausgeglichenen Haushalt mehr, und Massenarbeitslosigkeit ist seit den 1980er-Jahren ein Thema. Die Erosion der französischen Wettbewerbsfähigkeit begann auch schon vor dieser Krise", sagte er dem STANDARD am Rande des Europäischen Forums Alpbach.

Dort machte sogleich die Runde, dass der Sozialist, der bis August 2013 Chef der Welthandelsorganisation WTO war, Minister in Paris werden könnte. In seinem Heimatland herrscht nach Ansicht des 67-Jährigen auch dringender Handlungsbedarf: "80 Prozent der Probleme sind hausgemacht. Der Rest ist auf EU-Regeln zurückzuführen, denen Frankreich auch zugestimmt hat."

Wie man bei Griechenland gesehen hat, gebe es Solidarität auf EU-Ebene. "Die deutsche Sicht, dass es im Gegenzug Disziplin und Einhaltung der Regeln geben muss, hat auch ihre Verdienste. Es gibt kulturelle Unterschiede, was den Ordoliberalismus betrifft. Wie gesagt, die französischen Probleme haben großteils mit Frankreich selbst zu tun."

Ob er glaube, dass Präsident François Hollande die Hausaufgaben mache? Lamy: "Ich hoffe. Die Richtung ist richtig, man muss das Budget in den Griff bekommen, die Arbeitslosigkeit bekämpfen und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Es ist eine Frage des Maßes und der Geschwindigkeit. Beides ist meiner Ansicht nach zu gering." (Alexandra Föderl-Schmid aus Alpbach, DER STANDARD, 26.8.2014)

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