Das Kreuz der Bayern mit der Hypo Alpe Adria

25. August 2014, 17:49
10 Postings

Der Münchner Richter will das Verfahren gegen vier Ex-Bayernbanker einstellen. In der Hypo rechnete man kurz vor der Verstaatlichung noch mit Genesung

München/Wien - Für vier Exmanager der BayernLB, die wegen des Vorwurfs, die Hypo Alpe Adria 2007 zu teuer gekauft zu haben, vor dem Münchner Strafgericht stehen, wird der heutige Dienstag extrem spannend. Der Richter will ihr Untreueverfahren gegen Geldauflage einstellen, gab er am Montag bekannt. Betroffen wäre auch Michael Kemmer, heute Chef des deutschen Bankenverbands.

Dem Deal muss noch der Staatsanwalt zustimmen, er hat seine Stellungnahme für Dienstag angekündigt. Sollte die Staatsanwaltschaft der Verfahrenseinstellung ihren Segen geben, würde der Prozess nur gegen Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt und einen zweiten Exbanker weitergeführt. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Der Hypo-Deal der Bayern beschäftigt ja auch das Handelsgericht Wien; hier haben die Münchner den Kauf angefochten, weil sie sich von den Verkäufern getäuscht fühlen. Das Verfahren ist bereits geschlossen, nun fehlt nur noch das Urteil. Der Rechnungshof wiederum prüft den Hypo-Kauf durch die Republik Österreich, also die Notverstaatlichung Ende 2009.

Wenige Monate vor der Verstaatlichung sah der damalige Hypo-Chef Franz Pinkl (von Juni 2009 bis Mai 2010 im Amt) die Lage der Bank noch relativ optimistisch. Am 10. September 2009 tagte der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Kemmer, der Pinkl zu Beginn der Sitzung um seine "Einschätzung der Bank" bat. Der zeigte sich laut Sitzungsprotokoll zuversichtlich, der neue Vorstand "hat sich bereits gemeinsam Gedanken gemacht, wie die Hypo in eine nachhaltig profitable Bank ... umgeformt werden kann".

Optimismus als Programm

Ziel sei "die Kapitalmarktfähigkeit der Bank im Jahr 2013". Allerdings, so musste der Banker einräumen, würden die Risikovorsorgen 2009 höher als geplant ausfallen. Diverse Asset Screenings waren damals bereits im Laufen.

Mutter BayernLB hatte damals drei Szenarien für die Hypo für die Jahre 2009 bis 2013 gerechnet - auch das pessimistischste sollte, wie man heute weiß, nicht halten. Demnach hätte die Hypo in diesen fünf Jahren im schlimmsten Fall Verluste von 519 Mio. Euro gemacht. Im besten Fall wären die Bayern von einem Gewinn (vor Steuern) von 728 Mio. Euro ausgegangen. Der Hypo-Vorstand in seinem Bericht an den Aufsichtsrat von September 2009: "Aus gegenwärtiger Sicht kann die Wahrscheinlichkeit für ein Eintreten der berechneten pessimistischen Szenarien hoch sein." Damit behielten Pinkl und Co Recht. Der Verlust der Hypo erreichte 2009 dann 1,6 Milliarden Euro.

Die Bayern signalisierten damals, im September, Hilfsbereitschaft. Kemmer bat den Vorstand, "alle machbaren Maßnahmen zur Kapitalentlastung vorzunehmen" - und bot dafür laut Protokoll auch die "Unterstützung der Bayern LB" an.

Hätten die Banker ihre damalige Ideen zur Risikoreduzierung realisiert, hätte die Republik heute (zumindest) ein Problem weniger. Die Hypo-Manager dachten laut Pinkl jedenfalls schon damals "über einen Ausstieg aus dem Kernland Italien nach". Man müsse diesen aber noch einer "ausführlichen Prüfung unterziehen". Diese Prüfung oder die im Syndikatsvertrag fixierten Abklärungen mit den Gesellschaftern sind aber offenbar im Sande verlaufen. Denn: Die Hypo-Tochter in Italien ist heute noch eines der teuren Sorgenkinder der Bank.

Bei der Bankenaufsicht stand die Hypo, die ein Jahr zuvor PS-Kapital vom Staat bekommen hatte und von der Nationalbank (OeNB) als "not distressed" eingestuft worden war, seit Sommer 2009 unter genauester Beobachtung. Wie dem Aufsichtsrat berichtet wurde, lief die Prüfung der OeNB seit 17. August, angesetzt sei sie bis Ende Oktober. Vor Ort seien: acht Prüfer von der OeNB, zwei von der Deutschen Bundesbank und einer von der deutschen Aufsicht - wobei die Deutschen "nicht dauerhaft" dabei seien.

Rund drei Monate nach dieser Sitzung musste die Hypo vom Staat aufgefangen werden. (Renate Graber, DER STANDARD, 26.8.2014)

Share if you care.