Psychologen betreuen wiedergefundene Tsunami-Kinder

25. August 2014, 16:00
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Indonesische Familie fand Tochter und Sohn wieder - Skepsis im Ausland

Banda Aceh - Eine indonesische Familie, die nach eigenen Angaben ihre seit dem Tsunami vor fast zehn Jahren totgeglaubte Tochter wiedergefunden hat, wird psychologisch betreut. Kurze Zeit später hatte die Familie auch einen Bub als ihren bei der Naturkatastrophe 2004 verschwundenen Sohn präsentiert.

"Wir machen uns vor allem Sorgen um den Buben", sagte der Distriktvorsteher von West Aceh auf der Insel Sumatra, Teuku Alaindinsyah, am Montag, der Nachrichtenagentur dpa. Diese Sorge beziehe sich nicht auf mögliche Zweifel an der Richtigkeit der Rückkehr-Geschichte. Vielmehr sei das Kind nicht in guter Verfassung, weil er jahrelang auf der Straße lebte. Die Berichte über die Tsunami-Kinder hatten weltweit Schlagzeilen gemacht. Im Ausland waren danach auch kritische Fragen aufgetaucht, ob die Geschichte der wiedergefundenen Geschwister stimmt.

DNA-Test

"Es wäre das Mindeste, die Identität der Kinder per DNA-Test festzustellen", sagte der Vorsitzende der Kinderschutzkommission, Arist Merdeka Sirait. Er werde sich des Falls annehmen. Gustav Leo, Polizeisprecher von Aceh, erklärte, die Beamten hätten im Fall des Mädchens recherchiert. "Wir haben die Umstände ermittelt und sie waren plausibel."

Distriktvorsteher Alaindinsyah erklärte: "Wir können natürlich DNA-Tests organisieren, aber jetzt geht es erstmal um das Wohlbefinden der Kinder." Er habe die Familie vergangene Woche besucht. Nach seinen Angaben fallen den Geschwistern inzwischen Kindheitserinnerungen von vor dem Tsunami ein.

Die Eltern Jamaliah und Septi Rangkuti machten Anfang August Schlagzeilen mit der Nachricht, sie hätten ihre heute 14 Jahre alte Tochter Raudhatul wiedergefunden. Ein Onkel habe das Mädchen Hunderte Kilometer vom damaligen Wohnort entfernt auf der Straße erkannt.

Totgeglaubter Sohn

Zwei Wochen später präsentierten sie einen 17-Jährigen als ihren totgeglaubten Sohn Arif. Eine Frau habe Jamaliah mit Raudhatul im Fernsehen gesehen und Ähnlichkeit zu einem Straßenkind entdeckt, der vor ihrer Tür schlief. Sie habe ihm ein Foto von Jamaliah gezeigt, er habe sie als seine Mutter identifiziert und sie habe sofort einen Fernsehreporter alarmiert, der es organisierte, dass die Familie wieder zusammenkam, erzählte die Frau.

Die "Süddeutsche Zeitung" war der Geschichte von Raudhatul nachgegangen und hatte vor Ort Ungereimtheiten festgestellt. Der Polizeichef von Aceh sagte, im Fall des Mädchens hätten seine Beamten die Geschichte geprüft.

"Wir sind sicher, dass dies Arif ist", beteuerte seine Mutter. "Er hat uns auch wiedererkannt." Sie seien zu DNA-Tests bereit. "Aber wir haben jetzt erstmal Dringenderes zu tun. Arif ist zehn Jahre vernachlässigt worden."

Der Tsunami, der am 26. Dezember 2004 auf ein heftiges Seebeben vor der Insel Sumatra folgte, tötete 230.000 Menschen rund um den Indischen Ozean. Allein auf Sumatra starben 170.000 Menschen. (APA, 25.8.2014)

  • Mutter Jamaliah zeigt ein Foto ihrer Tochter, das vor dem Tsunami 2004 aufgenommen wurde.
    foto: apa/epa/achwa nussa

    Mutter Jamaliah zeigt ein Foto ihrer Tochter, das vor dem Tsunami 2004 aufgenommen wurde.

  • Die totgeglaubte Tochter ist wieder bei der Familie.
    foto: apa/epa/achwa nussa

    Die totgeglaubte Tochter ist wieder bei der Familie.

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