Blogger enthüllt mittels Google Earth neues IS-Terrorcamp

25. August 2014, 11:09
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Zur Recherche wurden frei zugängliche Satellitenbilder und IS-Propagandamaterial genutzt

Google Earth, Twitter, die Foto-Website Panoramio und viel Zeit: Mehr brauchte das Team rund um den britischen Blogger Eliot Higgins nicht, um ein geheimes Ausbildungslager der Terrorgruppe "Islamischer Staat“ (IS) im Nordirak zu orten. Klassische Geheimdienstarbeit also, die zu einem Großteil auch auf offen zugängliche Informationen, im Jargon der Dienste "OSINT" genannt, zurückgreift.

Fluss gesucht

Ausgangspunkt von Higgins' Recherche, die er auf seinem Blog "Bellingcat" veröffentlichte, war ein Twitter-Account der IS-Terroristen. Auf einem Bild sei eine große Brücke zu erkennen gewesen, also hätten er und sein Team auf Google Maps nach breiten Flüssen Ausschau gehalten, schreibt Higgins. Besonders viele Auswahlmöglichkeiten gibt es in puncto Flüsse im Irak nicht, naheliegend sind Euphrat und Tigris.

Neubau nachgewiesen

Mit etwas Geduld fand Higgins anschließend eine passende Brücke in der nordirakischen Stadt Mossul, die schon seit Wochen unter der Herrschaft der IS steht. Durch Satellitenmaterial von Flash Earth und Fotos der Geotagging-Seite Panoramio, die Bilder mit Ortsangaben belegt, konnte Higgins Team das Areal anschließend weiter eingrenzen und den Standort verifizieren. Durch die verschiedenen Aufnahmedaten von Fotos und Satellitenmaterial konnte anschließend nachgewiesen werden, dass innerhalb der vergangenen Wochen ein neues Gebäude neben einem Turm aufgebaut wurde – eben das Ausbildungscamp der IS.

Foley-Video analysiert

Ähnlich ging Higgins mit dem Videomaterial der IS um, das die Enthauptung des US-Journalisten James Foley zeigt. Auch hier konnte Higgins dank verschiedener Steinformationen und Hintergrundbilder den genauen Drehort lokalisieren. Es soll sich dabei um Hügel im Umland der nordsyrischen Stadt Raqqa handeln, die von der Terrorgruppe IS zur Hauptstadt ihres ausgerufenen Kalifats ernannt wurde.

Jeder kann sich engagieren

Ob Higgins mit seinen Erkenntnissen wirklich den Nachrichtendiensten voraus ist, wie Spiegel online spekuliert, darf bezweifelt werden. Darum geht es Higgins aber nicht per se: Er möchte mit seinen Recherchen zeigen, dass sich jeder Bürger engagieren und einen Beitrag zu Wissen und Informationsstand bei aktuellen Krisen leisten kann. So hatte Higgins bereits vor rund einem Jahr für Aufsehen gesorgt, als er Waffenschmuggel und illegal eingesetzte Bomben im syrischen Bürgerkrieg nachwies.

Journalismusprojekt

Daraufhin hatte Higgins eine Kickstarterkampagne eingerichtet, mit der er ein Journalismusprojekt starten wollte. Der bis 2012 als Administrator tätige Brite erreichte sein Ziel, mittlerweile ist er Leiter der "Citizen Journalism“-Seite "Bellingcat". (fsc, derStandard.at, 25.8.2014)

  • Dank Satellitenbildern unterschiedlicher Anbieter konnte Higgins den Neubau eines IS-Camps nachweisen.
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    Dank Satellitenbildern unterschiedlicher Anbieter konnte Higgins den Neubau eines IS-Camps nachweisen.

  • Das Team rund um den Blogger analysierte dafür IS-Propagandamaterial.
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    Das Team rund um den Blogger analysierte dafür IS-Propagandamaterial.

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