Pensionsbeiträge umschichten: Das unterschätzte Problem

Kommentar24. August 2014, 18:05
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Die Abflachung der Einkommenskurve ist nur ein Hebel, aber ein wichtiger

AMS-Chef Johannes Kopf sieht in den steigenden Arbeitskosten von Beschäftigten mit fortdauernder Betriebszugehörigkeit ein Problem für die Älteren am Jobmarkt. Sein Lösungsvorschlag: Mit einer Umschichtung der Pensionsbeiträge vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer würde die betroffene Altersgruppe für Betriebe wieder günstiger, wodurch sich die Beschäftigungschancen erhöhten. Bei Jüngeren wären die Verschiebungen gegengleich, sodass diese mehr verdienen, den Arbeitgeber aber teurer kämen. Über Kopfs Modell kann man geteilter Meinung sein - ungeteilt sollte die Aufmerksamkeit für das Problem sein. Denn es wird ohne Gegensteuern wachsen.

Es geht dabei nicht um die Frage, ob steigende Verdienste mit dem Älterwerden verdient sind - das lässt sich in dieser Allgemeinheit ohnehin nicht sinnvoll erörtern. Nicht Wert-, sondern Kostenfragen und somit beinharte Realitäten stehen im Vordergrund: Durch Vorrückungen kommen 60-Jährige im Durchschnitt auf mehr als das Doppelte der 25-jährigen Kollegen. In vielen Fällen passen die Relationen; in anderen sind sie ebenfalls angemessen, werden vom Arbeitgeber aber nicht gewürdigt. Manchmal passt die Spreizung schlicht und einfach gar nicht. Das war immer schon so. Der wesentliche Unterschied zu früher: Die elegante Variante Frühpension wird richtigerweise zunehmend versperrt. Daher werden sich Betriebe nicht mehr so leicht auf Kosten der Pensionsversicherung älterer Mitarbeiter entledigen können. Hinzu kommt, dass geburtenstarke Jahrgänge in das arbeitsmarktbezogen kritische Alter hineinwachsen. Somit ist zu befürchten, dass sich die Jobchancen der Generation 50+ weiter verschlechtern.

Lösungen sollten an mehreren Punkten ansetzen. Die Abflachung der Einkommenskurve ist also nur ein Hebel, aber ein wichtiger. Wenn Kopfs Konzept einen Schwachpunkt hat, dann eher den, dass eine Veränderung der Bezüge um zehn Prozent nicht ausreichen könnte, um die Situation zu entschärfen.

Positiv stimmt, dass dank gesetzlichen Eingriffs nicht weitere Jahrzehnte vergehen würden, bis die Sozialpartner die Kollektivverträge (vielleicht) anpassen. Leicht wird es die Regierung nicht haben, den Vorschlag zu verteufeln. Immerhin wurden beim Lehrerdienstrecht ähnliche Wege gegen den Widerstand der Gewerkschaft eingeschlagen. Bedrohlicher ist schon eine andere, typisch österreichische Reaktion: die des Kopf-in-den-Sand-Steckens. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 25.8.2014)

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