Auf ARD: "Polizeiruf 110: Morgengrauen" - Der Kommissar und die Liebe

24. August 2014, 17:22
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So traurig, so schön, aber auch so hintersinnig komisch war lange kein Fernsehkrimi

Nichts Schlimmeres, als wenn sich der Fernsehkrimi-Kommissar verliebt: Es handelt sich bei der Herzensdame zumeist um eine dringend Tatverdächtige und/oder ein künftiges Mordopfer, es geht in jedem Fall schlimmstmöglich aus, und die ganzen neunzig Minuten ist kaum Platz für den eigentlichen Fall, weil das Gefühlsleben von Kommissar und Frau in voller Breite erörtert werden muss.

Seit dem Polizeiruf "110: Morgengrauen" am Sonntagabend muss es nun heißen: nichts Besseres, als wenn sich der Fernsehkrimi-Kommissar verliebt. Das hat zum einen damit zu tun, dass sich der wunderbare Matthias Brandt als Hanns von Meuffels in die wundervolle Sandra Hüller verliebt, die hier eine Abteilungsleiterin in der Justizvollzugsanstalt gibt. Es hat auch damit zu tun, dass Autor und Regisseur Alexander Adolph ihnen eine so zauberhafte schüchterne, unbeholfene und rührende Liebe ins Buch geschrieben hat. Der Fall, der sich um eine seltsame Selbstmordserie im Knast und einen - wie sich herausstellt - himmelschreiend perversen Plan zur Weltverbesserung dreht, geht dabei nicht unter.

Er vereint sich im Gegenteil mit der Liebesgeschichte zu einem stimmigen Ganzen - auch wenn das bedeutet, dass die Liebe von ihm erstickt wird: zu Fall gebracht von einer Intrige beinahe Shakespeare'scher Qualität. Am Ende ist es ausgerechnet Kollege Oberpriller (Andreas Lust), gegen dessen Trost sich der leidende von Meuffels nicht mehr erwehren kann. Schlimmeres als diesen distanzlosen Menschen ohne Impulskontrolle und mit Gewaltproblem kann man dem gepflegt elitären Kommissar kaum wünschen.

So traurig, so schön, aber auch so hintersinnig komisch war lange kein Fernsehkrimi. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 25.8.2014)

  • Sandra Hüller und Matthias Brandt.
    foto: ard

    Sandra Hüller und Matthias Brandt.

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