Zwischen Rosberg und Hamilton kracht's, Ricciardo macht's

24. August 2014, 14:45
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WM-Leader schlitzt dem Mercedes-Stallrivalen Reifen auf, Lauda: "Nicht akzeptabel" - Australier holt auf dem Ardennen-Kurs dritten Saisonsieg und den insgesamt 50. GP-Erfolg für Red Bull

Spa - Daniel Ricciardo auf Red Bull hat am Sonntag den Großen Preis von Belgien gewonnen und damit im ersten Rennen nach der Formel-1-Sommerpause seinen dritten Saisonerfolg gefeiert.

Der Australier lagt am Ende eines spannenden Rennens vor Mercedes-Pilot Nico Rosberg, der seine Führung im WM-Klassement deutlich ausbauten konnte. Dritter wurde Valtteri Bottas im Williams.

Lewis Hamilton hatte nach einem frühen Reifenschaden infolge einer Berührung mit seinem Stallrivalen Rosberg in der zweiten Runde diesmal keine Chance auf die Punkte und beendete das Rennen vorzeitig. Der WM-Zweite fuhr nach einer frustrierenden und wenig erfolgreichen Aufholjagd seinen Silberpfeil fünf Runden vor Schluss freiwillig in die Box. Im WM-Klassement liegt er nun 29 Punkte hinter Rosberg (191:220).(191:220).

Weltmeister Sebastian Vettel wurde im Red Bull Fünfter.

Reifen aufgeschlitzt

Die Stimmung zwischen den Mercedes-Stars dürfte nach der Aktion Rosbergs, der Hamilton bei einem unnötigen Überholmanöver den Hinterreifen aufschlitzte, nicht besser geworden sein. Keine 24 Stunden zuvor hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ("Es gibt keinen Grund zur Freude") noch ausführlich erläutert, wie die Silberpfeile genau so eine Situation unter allen Umständen verhindern wollen.

Helmut Marko, Motorsportberater von Red Bull, hatte dagegen orakelt, wie es möglich wäre, Mercedes zu schlagen: "Die müssen sich gegenseitig wie wild bekämpfen und nach Möglichkeit ins Auto fahren." So kam es.

Rosberg erwischte einen denkbar schlechten Start und musste nicht nur Hamilton, sondern auch Vettel passieren lassen. Der Weltmeister ritt sogleich eine Attacke auf den Engländer, verbremste sich aber und rutschte auf Rang drei zurück.

Bei einem halbherzigen Überholversuch von Rosberg ruinierte sich der auf der Ideallinie fahrende Hamilton seinen Hinterreifen an Rosbergs Frontflügel, der ebenfalls beschädigt wurde. Auf drei intakten Reifen schlich er Richtung Box.

Lauda: Management wird reagieren

Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda war nach dem Rennen angespeist: "Das ist nicht akzeptabel. Wir hätten das Rennen auf eins und zwei herunterfahren können." Man werde nun auf Management-Ebene versuchen, das Problem zu lösen. Dicke Luft ist vorprogrammiert.

Rosberg verteidigte seine Führung bis zum ersten Reifenwechsel, der aber wegen des ebenfalls notwendigen Tausches des Frontflügels entsprechend länger dauerte und ihn hinter die Red Bulls zurückfallen ließ. Nach einem Fahrfehler von Vettel setzte sich Ricciardo an die Spitze und baute seine Führung zur Mitte des Rennens kontinuierlich aus.

Rosberg verbremste sich seinerseits bei einem Überholmanöver gegen Vettel und musste frühzeitig zum zweiten Reifenwechsel hereinkommen. Bei seiner Aufholjagd zog er zunächst neben der Strecke an Jenson Button (McLaren) vorbei, ließ sich anschließend wieder hinter diesen zurückfallen und überholte dann erneut - diesmal regelkonform. Ricciardo konnte er bis zum Finish aber nicht mehr stellen.

Hamilton: "Traurig"

Hamilton dagegen bat über Funk, den Boliden abstellen zu dürfen, um den Motor zu schonen. Wenig später erfüllte ihm der Kommandostand diesen Wunsch. "Das ist schwierig zu verarbeiten. Es geht nicht nur um meine WM-Hoffnungen, sondern auch um die Leute, die mich unterstützen. Traurig für alle. Ich war in der Kurve vorne", sagte der Ex-Weltmeister zu den unerfreulichen Vorkommnissen des Tages.

Rosberg meinte diesbezüglich unmittelbar nach dem Rennen: "Ich bin nicht in der Lage, das zu kommentieren. Ich hab' es noch nicht im Fernsehen gesehen. Ich weiß nur, dass ich schneller war. Ich bin außen rum, da innen blockiert war. Natürlich ist das in allererster Linie extrem schlecht gelaufen. Das hat uns beiden wehgetan. (red/sid - 24.8. 2014)

  • Die Szene des Tages: Bei Nico Rosberg (hinten) fliegt das Blech weg, der Hinterreifen von Lewis Hamilton ist hinüber.
    foto: apa/epa/srdjan

    Die Szene des Tages: Bei Nico Rosberg (hinten) fliegt das Blech weg, der Hinterreifen von Lewis Hamilton ist hinüber.

  • Des einen Leid, des Ricciardos Freud.
    foto: ap/bruno

    Des einen Leid, des Ricciardos Freud.

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