"So etwas muss man sich leisten können"

25. August 2014, 05:45
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Veronika Kronberger, Kämpferin gegen im Praktikum versteckte Arbeitsverhältnisse, sieht in der Praxis der heimischen Praktika soziale Selektion

STANDARD: Laut Jugendmonitor sind 90 Prozent zufrieden mit ihren Praktika ...

Kronberger: Ja, es wurde aber auch nicht weiter in die Tiefe nach Bezahlung oder sozialer Absicherung gefragt. Interessant wird es im Jugendmonitor dort, wo 30 Prozent sagen, dass sie sich ein Praktikum nicht leisten können.

STANDARD: Weil es keine Quelle der Querfinanzierung gibt?

Kronberger: Man muss sich leisten können, ein Praktikum zu machen. Damit wird Sammeln von Berufserfahrung zu einer sozial selektiven Sache. Nicht bezahlte Praktika sind ein Problem - 70 Prozent der Pflichtpraktika sind übrigens auch nicht bezahlt.

STANDARD: Sie sind aber auch Anlaufstelle für Problemfälle ...

Kronberger: Objektiv kann ich nicht sein - ich sehe niedere Hilfsdienste als Inhalt von Praktika, Urlaubsvertretungen oder in der Forschung ganze Projekte, die via Praktika abgewickelt werden. Es ist weit verbreitet, dass Jungakademiker mindestens ein halbes Jahr, meist länger, in versteckten Arbeitsverhältnissen hängen. Beispiel: Ein Bachelor arbeitet seit 14 Monaten unbezahlt in der IT bei einem großen Mobilfunkanbieter.

STANDARD: Ist es immer die Angst, gar nichts mehr zu finden, die von Klagen abhält?

Kronberger: Das - und Unwissenheit, dass drei Jahre rückwirkend eingeklagt werden kann. (kbau, DER STANDARD; 25.8.2014)

Veronika Kronberger ist Vorsitzende der Plattform Generation Praktikum und Angestellte der GPA-djp.

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