Vom Wunder ins neuerliche Wachkoma 

24. August 2014, 16:14
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Österreichs Basketballer scheitern an Deutschland und sich selbst: Durch eine 69:88-Niederlage ist das EM-Ticket so gut wie futsch

Die großen Chancen im Leben bieten sich bekanntlich nicht jeden Tag. Manche Menschen greifen zu, manche nicht. Österreichs Nationalteam-Basketballer hatten quasi Zugriff. Nicht auf einen noch kleineren Zwerg, sondern auf das große Deutschland.

Die verkehrte Welt war kurz keine Utopie, ein Sieg beim Nachbarn hätte den deutschen Basketball laut dessen Verbandspräsidium "in die Steinzeit befördert", den österreichischen vielleicht in die Moderne.

Und ja, es wurde dann doch irgendwie die Gegenwart. Mit einer 69:88-Niederlage ließ man den Deutschen ihre Chance, zur Europameisterschaft im Jahr 2015 zu fahren. Österreichs Zug zur EM ist damit so gut wie abgefahren, das abschließende Qualifikationsspiel in Lubin am Mittwoch (20.00 Uhr, live ORF Sport +) gegen Polen müsste mit 21 Punkten Differenz gewonnen werden. Weil aber neben den sieben Gruppensiegern nur die sechs besten Zweiten weiterkommen, könnte selbst ein Erfolg in dieser Höhe zu wenig sein.

Am Anfang dieser Nervenschlacht zitterten die Hände der ÖBV-Auswahl, eine Demontage kündigte sich an. Die Bälle wurden der Reihe nach weggeschmissen, die Logik des Handelns: ein 15:28-Rückstand.

Gekämpft

Im zweiten Viertel war der Angstschweiß dann endlich weggewischt, innerhalb weniger Minuten verkürzte Österreich auf 26:32 um folglich gar nur mehr einem Punkt hinterher zu laufen. Die Deutschen waren so bieder, das es nicht verwunderte, dass Deutschlands Point Guard Heiko Schaffartzik dem Schiedsrichter einen winselnden Blick wie ein Hund zuwarf, nachdem er ein Offensivfoul am körperlich kräftigeren Moritz Lanegger begangen hatte. Im Gegenzug traf der routinierte Spanien-Legionär Thomas Schreiner per Dreier. Bis zur Pause lief das alles in die gewünschte Richtung, Dranbleiben war die Devise: 41:45.

Eine weitere tragende Figur bei Österreich (wie fast immer): Rasid Mahalbasic. Dem gebürtige Slowenen, der bereits NBA-Luft geschnuppert hat und kommende Saison für den kasachischen Meister BC Astana spielen wird, rückten regelmäßig zwei Verteidiger auf die Pelle. Am Ende zeigte das leider Wirkung.

Kollabiert

In der zweiten Hälfte setzten die Deutschen noch mehr auf Härte, aber die jungen Österreicher nahmen die Herausforderung zunächst an, ließen sich nicht wie Pinballs unter den Körben herum schießen. Die Frage war nur, ob die Energie-Tanks bis zum Schluss reichen würden. Mit einer 63:62-Führung ging es in die finalen zehn Minuten.

Und dann wurde es quasi ein Déjà-vu. Auch wenn es kein 0:21-Lauf der Deutschen war, Österreich fiel wieder in ein Wachkoma. Wie bereits im Hinspiel in Schwechat. Eine großartiger Kampf mündete in eine müde Darbietung: Schlechte Wurfausbeute, einfache Körbe im Gegenangriff für Deutschland. Der Schlüssel für die Niederlage waren vor allem die vielen Rebounds, die man am Ende den Deutschen überließ. Nur magere sechs Punkte gelangen im Schlussabschnitt, das grenzt an Masochismus. Am Ende stand eine viel zu hohe 69:88-Niederlage.

"Wir haben aus den Fehlern im Heimspiel nichts gelernt", gestand Kapitän Thomas Schreiner ein. "Das Ergebnis war wieder eine Niederlage." Es fehle einfach auch an Erfahrung, meinte Center Rasid Mahalbasic zerknirscht.

Kein Balsam für die geschundene österreichische Sportseele. (Florian Vetter, derStandard.at, 24.8.2014)

EM-Qualifikation, Gruppe C

Deutschland – Österreich 88:69 (45:41)

Österreich: Mahalbasic 17, Rados 12, Schreiner 11, Maresch 8, Hasenburger 5, Hopfgartner 5, Lanegger 5, Klepeisz 4, Murati 2, Koch, Vieider; DNP: Seilern

Deutschland: Schröder 24, Kleber 15

Letztes Spiel der ÖBV-Herren in der EM-Qualifikation 2015, Gruppe C:

Polen – Österreich (Mittwoch, 27.8., 20.00 Uhr, Lubin, live ORF Sport +)

  • Ein Jammer: Österreich (im Bild r. Moritz Lanegger) konnte die Intensität gegen Deutschland über eine gesamte Partie, also 40 Minuten, weder im Heim- noch im Auswärtsspiel halten.
    foto: epa/fassbender

    Ein Jammer: Österreich (im Bild r. Moritz Lanegger) konnte die Intensität gegen Deutschland über eine gesamte Partie, also 40 Minuten, weder im Heim- noch im Auswärtsspiel halten.

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