Kalifornier räumen nach schwerem Erdbeben auf

25. August 2014, 11:20
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130 Verletzte, zahlreiche Gebäude im Napa Valley beschädigt - 10.000 Haushalte ohne Strom - Erdbeben auch in Peru

San Francisco - Nach dem schwersten Erdbeben seit einem Vierteljahrhundert haben in Nordkalifornien die Aufräumarbeiten begonnen. Trotz Schäden und mindestens 130 Verletzten machte sich dabei zunehmend Erleichterung breit: "Es hätte schlimmer kommen können", sagte der Stadtdirektor von Napa, Mike Parness.

Der Erdstoß der Stärke 6,0 ereignete sich am frühen Sonntagmorgen nordöstlich von San Francisco. Gouverneur Edmund Brown rief für die Region den Notstand aus. Damit kann rasch Hilfe aus Washington in die betroffenen Gebiete fließen.

Das Zentrum des Bebens um 3.20 Uhr (Ortszeit, 12.20 Uhr MESZ) lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS 10,8 Kilometer unter der Erdoberfläche nordwestlich der Stadt American Canyon im für seine Weine berühmten Napa Valley. Im Laufe der folgenden Stunden gab es mehrere Nachbeben, darunter eines der Stärke 3,6.

Drei Schwerverletzte

Nach vorläufigen Angaben der Rettungskräfte von Napa Valley gab es keine Todesopfer. In der wichtigsten Stadt der Region, Napa, seien aber drei Schwerverletzte geborgen worden. Zu ihnen zähle auch ein Kind, das von herabstürzenden Teilen eines Kamins am Kopf getroffen wurde. Es wurde mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik gebracht. Zudem wurden nach Angaben des Krankenhauses der Stadt 89 Menschen wegen leichter Verletzungen behandelt, sie trugen vor allem Quetschungen und offene Wunden davon.

An zahlreichen Gebäuden vor allem in Napa entstanden Schäden. Etwa 90 bis 100 Häuser seien vorerst für unbewohnbar erklärt worden, berichteten die "Los Angeles Times" und der "Chronicle". Nachdem 70.000 Menschen vorübergehend von der Stromversorgung abgeschnitten waren, ging die Zahl acht Stunden nach dem Beben auf rund 10.000 zurück.

Schaden von einer Milliarde Dollar

Die Behörden sperrten 33 Gebäude ab, die als einsturzgefährdet eingestuft wurden. Teile des Zentrums der Stadt Napa wurden mit Absperrband gesperrt. Bei einem Brand in einer Wohnwagensiedlung wurden vier Wohnwagen vollständig zerstört. Auch in anderen Siedlungen kämpfte die Feuerwehr gegen Brände. Nach Angaben der Behörden in Napa meldeten Bewohner zudem Gaslecks und zerborstene Wasserleitungen. Auch historische Gebäude wurden beschädigt.

Nach Schätzungen der US-Erdbebenwarte USGS liegt die Schadenssumme bei etwa einer Milliarde Dollar (etwa 760 Millionen Euro), wie die "Washington Post" berichtete. Die Aufräumarbeiten sollen laut Behörden noch etwa eine Woche andauern.

Straßen beschädigt

Die Erschütterungen waren bis in die mehr als 60 Kilometer entfernte Metropole San Francisco zu spüren, wo ebenfalls Menschen durch das Erdbeben aus dem Schlaf gerissen wurden. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter berichteten sie von heftigen Schwankungen, Stromausfällen und zerbrochenem Glas. Der Erdstoß habe zudem recht lang gedauert.

Mehrere Autobahnzufahrten sowie mindestens zwei Straßen in Napa Valley wurden wegen Beschädigungen gesperrt. Die Verkehrspolizei in der Bucht von San Francisco kündigte an, sie überprüfe alle Brücken auf mögliche Schäden. Eine Brücke wurde vorsorglich gesperrt.

Wasserleitungen gebrochen

Weil Dutzende Wasserleitungen bei dem Beben gebrochen waren, sollen nach Angaben von Parness in Napa Stationen eingerichtet werden, in denen Bürger, die von der Versorgung abgeschnitten waren, Wasser erhalten können.

In der Bucht von San Francisco fiel zunächst in mehr als 30.000 Haushalten der Strom aus, in Napa saßen die Menschen in 28.000 Wohnungen im Dunkeln. Im historischen Zentrum der bei Touristen beliebten Stadt wurden zudem viele Fassaden beschädigt, unzählige Fenster gingen zu Bruch. Auch die Weingüter der Region wurden hart getroffen. "Es ist, als ob jemand mit einem Baseballschläger in die Reben gegangen sei und alles zerschmettert habe", berichtete ein Weinbauer, der anonym bleiben wollte.

USGS-Expertin Jessica Turner warnte im Radiosender KCBS davor, dass Nachbeben einer Stärke von bis zu 5,0 innerhalb einer Woche wahrscheinlich seien.

Erdbeben im Süden Perus

Unterdessen kam es noch am Sonntag im Süden Perus ebenfalls zu einem starken Erdbeben. Es habe eine Stärke von 6,9 erreicht, teilte die US-Erdbebenwarte USGS mit. Zuvor hatte die Behörde die Stärke mit 7,0 angegeben. Das Beben habe sich gut 40 Kilometer nordöstlich der Stadt Tambo und in einer Tiefe von knapp 59 Kilometern ereignet. Berichte über Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Das Beben in der Region Ayacucho war an der Küste und in der rund 480 Kilometer entfernten Hauptstadt Lima zu spüren. Die Behörden schlossen einen Tsunami aus, da das Epizentrum weit im Landesinneren lag. (APA, 25.8.2014)

  • Beschädigtes Haus in Napa.
    foto: ap photo/noah berger

    Beschädigtes Haus in Napa.

  • Ein durch das Erdbeben verursachtes Feuer wütete in einer Wohnwagensiedlung.
    foto: apa/epa/peter dasilva

    Ein durch das Erdbeben verursachtes Feuer wütete in einer Wohnwagensiedlung.

  • Der Sender CNN und die "Los Angeles Times" sprachen vom schlimmsten Erdbeben in der Region seit dem Loma-Prieta-Beben nahe San Francisco 1989.
    foto: apa/epa/peter dasilva

    Der Sender CNN und die "Los Angeles Times" sprachen vom schlimmsten Erdbeben in der Region seit dem Loma-Prieta-Beben nahe San Francisco 1989.

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