Was heißt bitte "kein Thema"?

Blog24. August 2014, 12:44
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Dementi oder Ausflucht – Journalisten sollten Politikern diese sinnlose Phrase nicht durchgehen lassen

"Das ist kein Thema" oder "Das ist überhaupt kein Thema": Immer öfter weichen österreichische Politiker oder andere Prominente mit diesem Satz einer unangenehmen Frage aus. Zuletzt etwa Finanzminister und VP-Chef Michael Spindelegger, als er vergangene Woche erneut zur Millionärssteuer befragt wurde, gegenüber der sich sein oberösterreichischer Parteifreund Josef Pühringer etwas offener gezeigt hat.

Was heißt das bitte? Dass eine Reichen- oder Vermögenssteuer kein mediales Thema ist, kann wohl niemand behaupten, auch kein Parteichef, der sich seine eigene Realität zusammenzimmert. Wollte er sagen, die ÖVP habe sich mit dieser Frage nie beschäftigt? Wohl kaum, da würde Spindelegger ja seine Zuhörer für blöd verkaufen.

Dementi mit Schlupfloch

"Kein Thema" ist die neue Form des Dementis, allerdings eines, das immer noch ein Schlupfloch offenlässt. Ein echtes Nein, mit dem man später einmal konfrontiert werden kann, wenn sich die Position geändert hat, ist es nicht.

Verwendet wurde es in der vergangenen Woche etwa auch von Team-Stronach-Chefin Kathrin Nachbaur auf die Frage nach einem Rückkehrrecht zu Stronach. Später musste sie zugeben, dass sie weiterhin für Stronach arbeitet. "Missverständlich" sei ihre Antwort gewesen. Das ist genau das Problem.

Journalisten sollten diese Antwort überhaupt nicht durchgehen lassen, gerade weil sie so offensichtlich unehrlich ist – und die Frustration über die Sprache der Politiker noch fördert.

"Sie haben sich noch nichts dazu überlegt?"

Das nächste Mal, wenn auf eine gradlinige Frage mit "Das ist kein Thema" geantwortet wird, könnte der Interviewer oder die Interviewerin nachfragen: "Das heißt, Sie wollen darauf nicht antworten, weil Ihnen das Thema unangenehm ist?" oder noch besser: "Das heißt, Sie haben sich noch nichts zu dieser Frage überlegt, könnten sich aber später immer noch dafür entscheiden?"

Ich wäre gespannt, was etwa Spindelegger dann sagen würde. (Eric Frey, derStandard.at, 24.8.2014)

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