Draghi will Mini-Inflation mit allen Mitteln anheizen 

23. August 2014, 14:02
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Die niedrige Teuerungsrate seine eine Gefahr für die Preisstabilität warnt der EZB-Chef einmal mehr

Jackson Hole - EZB-Chef Mario Draghi will die immer niedrigere Inflation in der Euro-Zone falls nötig mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln erhöhen und so die Wirtschaft ankurbeln. Das sagte der Italiener am späten Freitagabend auf dem hochrangig besetzten Zentralbanker-Treffen in Jackson Hole in den Rocky Mountains.

Zuvor war er von einem Mitglied der US-Notenbank Fed ungewöhnlich scharf kritisiert worden, mehr zu tun, damit die zuletzt stagnierende Wirtschaft in der Euro-Zone wieder wächst.

Draghi räumte ein, ein weiterer Rückgang der Inflation würde Risiken für die Preisstabilität mit sich bringen. Darauf werde die Europäische Zentralbank (EZB) aber antworten. Die geringe Teuerungsrate sei auf temporäre Faktoren zurückzuführen. Draghi nannte etwa die Energiepreise und die Ukraine-Krise als Gründe.

Inflationsrate bei 0,4 Prozent

Die Inflationsrate in den 18 Euro-Ländern war im Juli auf 0,4 Prozent gefallen und lag damit deutlich unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Für den August erwarten Analysten sogar nur 0,3 Prozent. Auf breiter Front fallende Preise können eine Wirtschaft auf viele Jahre lähmen. Verbraucher konsumieren dann weniger, weil sie mit noch niedrigeren Preisen in der Zukunft rechnen. Unternehmen schieben Investitionen auf die lange Bank. Japan kämpft seit 20 Jahren immer wieder gegen eine solche Deflation.

Draghi betonte, er sei zuversichtlich, dass die von der EZB im Sommer in Aussicht gestellten zusätzlichen Geldspritzen für eine stärkere Kreditvergabe der Banken sorgen würden. Zudem werde sich der Euro -Wechselkurs positiv auswirken. Dieser liegt gegenüber dem Dollar derzeit auf dem niedrigsten Stand seit September 2013. Die EZB sei zudem bei Bedarf zu weiteren - auch unkonventionellen Maßnahmen - bereit.

Fed: Entschiedener auf Rezession reagieren

Auf Forderungen von einigen Politikern und Ökonomen nach massiven Wertpapierkäufen, um das Zinsniveau weiter zu senken, ging der EZB-Chef jedoch nicht ein. Mit solchen Maßnahmen haben die Amerikaner nach der Finanzkrise 2008 die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht. Fed-Mitglied James Bullard hatte zuvor gesagt, die EZB müsse auf das Warnsignal der niedrigen Inflation in Europa reagieren und sich entschiedener gegen eine Rezession stemmen.

Aber auch in den USA wird über den richtigen Kurs in der Geldpolitik gerungen. Mehrere Fed-Mitglieder forderten in Jackson Hole, sich nicht zu stark auf den Arbeitsmarkt zu konzentrieren und die historisch niedrigen Zinsen von nahe null Prozent lieber früher als später anzuheben. Fed-Chefin Janet Yellen will aber nichts überstürzen. Trotz des zuletzt kräftigen Aufschwungs und Fortschritten auf dem Arbeitsmarkt ist die weltgrößte Volkswirtschaft aus ihrer Sicht noch ein Stück von der angestrebten Vollbeschäftigung entfernt. (APA/Reuters, 23.8.2014)

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