Alles zu zeigen ist totalitär

Einserkastl22. August 2014, 19:42
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Twitter und Youtube haben beschlossen das Video von James Foleys Tod zu entfernen

Es gibt Leute, die betrachten es als Recht der freien Meinungsäußerung, sich das langsame Absägen des Kopfes eines Menschen durch einen vermummten Herrn unter "Allahu akbar"-Rufen auf Twitter oder Youtube ansehen zu dürfen.

Die beiden US-Firmen haben nach einer Schrecksekunde beschlossen, die massenhaften Videos von dieser Bestialität zu entfernen; Twitter drohte sogar damit, jeden beteiligten Account zu sperren.

Doch nun protestiert Glenn Greenwald: "Ich will nicht, dass private Unternehmen entscheiden, welche politische Rede okay ist." Greenwald hat Edward Snowdens NSA-Enthüllungen journalistisch aufbereitet, ein ernstzunehmender Mann.

Aber: Kopfabschneiden als "politische Rede"? Selbst wenn sie vom üblichen Bombast der Jihadisten ("Wir werden euch in Blut ertränken") begleitet ist - das ist genauso wenig "politische Meinung", wie wenn jemand sagt, die Nazis hätten die Juden eh nicht vergast. Beides ist Terror, physisch und psychisch, mit der Absicht, Furcht und politische Lähmung zu verbreiten und dadurch die Errichtung eines verbrecherischen Systems zu fördern. Was die Jihadisten tun, nannten Terroristen des 19. Jahrhunderts "Propaganda der Tat". Darauf darf man nicht hereinfallen.

Bedingungslose Gläubige des Webs schreien "Zensur", wenn die aberwitzigsten Inhalte gesperrt werden. Das ist Verblendung. Alles zu zeigen, auch das Ungeheuerlichste, ist totalitär. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 23.8.2014)

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