VP-Gesundheitssprecher Rasinger warnt vor Hausärztemangel

25. August 2014, 21:33
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Vorschusslorbeeren für künftige Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser

Wien – Noch nicht einmal im Amt, darf sich die neue Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) über Lob freuen. Die Ärztin und frühere Gesundheitssprecherin der SPÖ verstehe etwas vom Fach, findet Erwin Rasinger, Gesundheitssprecher der ÖVP. Gemeinsam haben sie schon einige Gesetze, wie auch die elektronische Gesundheitsakte, verhandelt. Aber auch für den Nochgesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hat er lobende Worte und gleichzeitig milde Kritik.

Trotzdem ist Rasinger nicht ganz glücklich mit der geplanten Primärversorgung, Primary Health Care. Idee des Modells ist eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Arzt und Gesundheitsberufen. Obwohl das unter der Leitung des Arztes geschehen soll, vermisst er nach wie vor eine Stärkung des Hausarztes. "Egal, wie man das Modell nennt oder ob man in einer Gruppe arbeitet, das allein wertet den Beruf nicht auf." Die vom Hauptverband und vom Gesundheitsminister gepriesene Vernetzung der Gesundheitsdienstleister sieht Rasinger nicht als neue Errungenschaft: Diese finde heute schon statt. "Wenn der Patient zu mir kommt, leite ich den Prozess." Die Ausbildung anzupassen – Stichwort Lehrpraxis – sei wichtig, aber auch die Krankenkassen müssen Modelle zur Verfügung stellen, damit der Hausarzt überleben könne. "Es kann nicht sein, dass er 40 Prozent weniger verdient als ein Facharzt." Die jungen Kollegen seien "auf dem Sprung ins Ausland", da dort die Arbeitsbedingungen weitaus attraktiver seien. Rasinger, der selbst praktischer Arzt ist und eine Ordination in Meidling betreibt, warnt vor einem "dramatischen Hausärztemangel in zehn Jahren". Es gebe genügend Ärzte, die im Land gehalten werden müssen.

Dabei räumt er selbst ein, dass es ein "Klagen auf hohem Niveau" sei, denn das österreichische Gesundheitssystem sei viel besser, als "es viele wahrhaben wollen". Trotzdem müsse man den Mut haben, die Schwächen zu erkennen, und diese sieht der schwarze Gesundheitssprecher in der Prävention, in der Schmerztherapie und in der psychiatrischen Versorgung von Kindern und Erwachsenen. (mte, derStandard.at, 25.8.2014)

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