Kuhmilch-Allergie zeigt erneut Bedeutung von Eisen

22. August 2014, 13:23
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Wiener Forscher stellen gleichen Mechanismus wie zuvor bei Birkenpollenallergie fest

Wien - Die mangelnde Bindung von Eisen an potenziell allergienauslösende Proteine dürfte einen breit wirksamen Mechanismus für die Entstehung von Allergien darstellen. Nach dem Nachweis dieses Mechanismus für das Haupt-Birkenpollenallergen "Bet v 1" vor rund zwei Monaten gelangten Wiener Wissenschaftern beim primären Kuhmilchallergen (Beta-Laktoglbulin) zum selben Ergebnis.

Eine echte Milchallergie - nicht zu verwechseln mit der harmloseren Laktoseintoleranz, bei der nur der Milchzucker Verdauungsprobleme bereitet - kommt bei etwa zwei bis drei Prozent der Kinder in Europa vor und ist bei Erwachsenen noch seltener. Das Immunsystem bildet dabei mehr und aktivierte Th2-Lymphozyten. Sie wiederum produzierten vermehrt Immunglobulin E (IgE), was die allergischen Symptome entstehen lässt.

Molekulare Betrachtung

Ein Wissenschafterteam unter Erika Jensen-Jarolim (Messerli Forschungstitut der Universität für Veterinärmedizin, der MedUni Wien und der Universität Wien) dürfte mit seinen Arbeiten an den Ursprung dieser krank machenden Mechanismen gelangt sein. Nachdem sie Anfang Juni in einer Arbeit im "Journal of Biological Chemistry" zeigten, dass das hauptsächliche Birkenpollenallergen "Bet v 1" nur dann allergisch wirkt, wenn es in seinen "Taschen" kein Eisen aufgenommen hat, dokumentierten sie jetzt in "PLOS One" mit einer weiteren Publikation, dass dies auch für das Kuhmilchallergen Beta-Laktoglobulin zutreffen dürfte.

Das Protein gehört zur Proteinfamilie der Lipokaline. Auch die Lipokaline besitzen molekulare Taschen, in die Eisen-Ionen passen. Das Eisen ist über sogenannte Siderophore am Protein gebunden. Franziska Roth-Walter und ihre Co-Autoren zeigten nun, dass ein "leeres" Milchprotein, also ein Protein ohne Eisen und Siderophore, die Aktivierung von Th2-Lymphozyten unterstützt. Erst dann kann die Produktion von IgE-Antikörpern gegen das Milchprotein angekurbelt werden, die betroffene Person wird sensibilisiert und kann gegen Milch allergisch reagieren. Die Wissenschafterin: "Die Kenntnis der molekularen Strukturen von Allergenen hat ganz erheblich zu dieser praktisch relevanten Erkenntnis über Milchallergie beigetragen."

Mögliche Umweltursachen

"Das ist der selbe Mechanismus wie bei dem 'Bet v 1' der Birkenpollen", sagt Jensen-Jarolim. Wiener Allergieforscher wiesen schon vor Jahren darauf hin, dass schlechtere Umweltbedingungen Birkenpollen aggressiver machen können. "Die mangelnde Eisen-Beladung des Birkenproteins könnte mit verschärften Umweltbedingungen, denen die Pflanzen ausgesetzt sind, zusammenhängen", so die Expertin.

Ähnliche Mechanismen könnten über die Fütterung von Milchkühen wirken. Erika Jensen-Jarolim: "Eine der brennendsten Fragen, die wir beantworten möchten, lautet: Warum sind diese Milchproteine mehr oder weniger mit Eisen beladen? Dabei könnte die Haltung und Fütterung der Kühe eine Rolle spielen. Ob biologisch oder konventionell produzierte Milch mehr oder weniger Eisen-beladenes Protein enthält, muss noch untersucht werden. Lipokaline gibt es bei allen Säugetieren. Wir gehen wir davon aus, dass wir unsere Erkenntnisse auch auf die Milch anderer Tierarten übertragen können." Es wäre beispielsweise denkbar, dass Bio-Futter günstiger sein könnte als Soja-Futter aus der Massenfutter-Herstellung.

Die Forschungsarbeiten gehen weiter: Es gibt bereits Hinweise darauf, dass die Eisen-Beladung auch bei Schimmelpilz-Allergien eine Rolle spielt. (APA/red, derStandard.at, 22. 8. 2014)

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