Gefährliche Suche nach Vermissten in Hiroshima geht weiter  

22. August 2014, 17:38
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Noch 47 Menschen vermisst - 40 Leichen geborgen

Hiroshima - Zwei Tage nach den Erdrutschen in der westjapanischen Stadt Hiroshima haben die Bergungskräfte die Suche nach knapp 50 Vermissten fortgesetzt - obwohl sie Gefahr liefen, von neuen Schlammlawinen selbst verschüttet zu werden. Wegen der Risiken wurde der Bergungseinsatz am Freitagnachmittag kurzzeitig unterbrochen.

Doch die Hoffnung, Überlebende zu finden, trieb die Retter am Abend wieder in die verwüsteten Gebiete zurück. "Wir werden die ganze Nacht suchen", kündigte Hiroshimas Katastrophenschutzbeauftragter Hideyuki Okuda an. "Jede Stunde zählt", sagte auch Bürgermeister Matsui Kazumi laut der Nachrichtenagentur Jiji Press. Nach Angaben von Experten gibt es in den ersten 72 Stunden nach einem derartigen Unglück Hoffnung, Verschüttete lebend zu bergen.

Suche war unterbrochen

Nach tagelangem Regen waren in der Nacht zum Mittwoch rund 30 Erdrutsche fast zeitgleich auf Hiroshimas Stadtrandgebiete niedergegangen und hatten Dutzende Holzhäuser unter sich begraben oder fortgerissen. Bis Freitag wurden 40 Leichen geborgen.

Weil wegen neuer heftiger Regenfälle weitere Erdrutsche drohten, hatte die Regierung in Tokio am Freitag zunächst angeordnet, alle 2.800 Bergungskräfte aus den beiden betroffenen Vierteln am Stadtrand von Hiroshima abzuziehen. Bereits vorher hatten Hiroshimas Behörden 4.400 Einwohner zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert, Zehntausenden wurde empfohlen, sich vorsichtshalber in Sicherheit zu bringen.

Nach dem Unglück hatten die Behörden zunächst Probleme, die genaue Zahl der Vermissten zu ermitteln. Doch inzwischen klappt die Koordination zwischen den örtlichen Behörden und den Hilfsdiensten immer besser, und die Meldungen über Tote, Verletzte und Vermisste lassen sich besser abgleichen, wie ein Polizeisprecher erläuterte. Freitagabend belief sich die offizielle Vermisstenzahl demnach auf 47 - allerdings waren einige der geborgenen Leichen noch nicht identifiziert, die Opfer könnten somit auch auf der Vermisstenliste geführt werden.

Neue Erdrutsche befürchtet

Meteorologen rechnen bis Samstagabend mit weiteren heftigen Regenfällen. Sie warnten vor neuen Erdrutschen. Wegen des Dauerregens wurden inzwischen auch für die weiter südlich gelegenen Präfekturen Nagasaki und Fukuoka sowie für einige Orte der nördlichen Insel Hokkaido Warnungen ausgegeben.

Trotz zahlreicher Sicherheitsmaßnahmen kommt es in dem dicht besiedelten Land immer wieder zu folgenschweren Erdrutschen. Allein in Hiroshima mit seinen vielen Hügeln sind tausende Punkte als gefährdet ausgewiesen. Im Jahr 1999 wurden in der Stadt durch Schlamm- und Gerölllawinen mehr als 30 Menschen getötet. (APA, 22.8.2014)

  • Nach tagelangem Regen waren in der Nacht auf Mittwoch rund 30 Erdrutsche fast zeitgleich auf die Stadtrandgebiete niedergegangen.
    foto: reuters/toru hanai

    Nach tagelangem Regen waren in der Nacht auf Mittwoch rund 30 Erdrutsche fast zeitgleich auf die Stadtrandgebiete niedergegangen.

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