Sprachverhalten: "Früher war 'Smart' eine Zigarettenmarke"

22. August 2014, 11:51
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Junge Menschen kommunizieren mit dem Smartphone fast nur schriftlich – 21 Prozent sogar von der Toilette aus

Welchen Einfluss haben Smartphones und andere technische Innovationen auf die Art, wie wir miteinander sprechen? Erkenntnisse dazu will die von A1 und GfK durchgeführte Social Impact Studie 2014 liefern, für die Anfang Juli rund 1.000 "Handy-User" ab zwölf Jahren interviewt wurden.

Doppelter Einfluss

Eindeutig zeigt sich in den Ergebnissen, welch großen Einfluss die Technik auf das Sprachverhalten hat – und zwar auf mehrfache Art und Weise: Einerseits ermöglichen technische Errungenschaften wie das Smartphone neue Formen der Kommunikation (Stichwort WhatsApp), andererseits dringen technische Begriffe selbst in die Alltagssprache vor. "Unter 'Smart' hat man früher etwas anderes verstanden – nämlich eine Zigarettenmarke", so Rudolf Bretschneider von der GfK Austria.

"Typisch österreichisch"

Ob diese Veränderung positiv oder negativ sei, steht für die Mehrheit der Österreicher nicht klar fest: 58 Prozent geben an, gute und schlechte Auswirkungen auf die Sprache zu sehen. Laut Bretschneider eine "typisch österreichische Antwort". Viele Phänomene, die neuen Kommunikationsformen zugeordnet würden, gäbe es dabei schon lange, so der Professor weiter – beispielsweise Abkürzungen. Denn lange vor dem "LOL" kürzten die alten Römer in ihren lateinischen Schriftstücken viele gebräuchliche Wörter ab, um Zeit zu sparen.

Rechtschreibfehler werden toleriert

Die digitale Kommunikation zeigt allerdings auch einen Anstieg der Rechtschreibfehler, bedingt auch durch flüchtiges Tippen und eine Fehlertoleranz. So sehen 41 Prozent der Befragten kein Problem bei schlechter Grammatik und sogenannten "Typos", vor allem bei informellem Kontakt via SMS oder WhatsApp. Insgesamt zeigt sich, dass diese Formen der Kommunikation auch von Jungen dominant genutzt werden: Zwei Drittel der unter 24 Jahre alten Befragten nutzen das Smartphone vorwiegend für schriftliche Kommunikation, bei den Älteren ist das genau umgekehrt.

Smartphone auf die Toilette mitnehmen

Getextet wird dabei überall: 21 Prozent der Befragten nehmen ihr Smartphone sogar auf die Toilette mit, um von dort aus kommunizieren zu können. Ansonsten dominieren öffentliche Verkehrsmittel, aber auch private Verabredungen. Die zwei meistgenutzten Services stellen dabei mit Abstand Facebook (Haupt-App 90 Prozent, Messenger 46 Prozent) und WhatsApp (71 Prozent) dar. A1-Chef Hannes Ametsreiter: "Uns interessiert natürlich sehr, wie kommuniziert wire, um noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen."

WhatsApp und die Infrastruktur

Dabei war in den vergangenen Monaten gerade Whatsapp ein Dorn im Auge der A1-Führung. Denn die Messenger-Apps sorgen für starke Rückgänge bei SMS und bringen den Mobilfunkern nur geringen Verbrauch beim Datenvolumen ihrer Kunden. WhatsApp baue aber keine Infrastruktur in Österreich, kritisierte A1-Chef Ametsreiter noch vergangenen März. "Diese Firmen wollen auch den Sprachumsatz", so Ametsreiter damals. Die am Freitag vorgestellte Studie scheint den Schwenk in Richtung WhatsApp und Facebook zu bestätigen, der A1-Chef spart aber mit Angriffen auf die vermeintliche Konkurrenz.

Nur ein Prozent könnte aufs Netz verzichten

Denn was A1 freuen dürfte: Insgesamt kommt kaum ein Österreicher mehr ohne sein Smartphone aus: Im Vergleich zu 2010 (32 Prozent) sind die Zahlen der Nutzer rasant angestiegen, liegen mittlerweile bei 72 Prozent. Und: Immerhin 86 Prozent der Nutzer wissen sogar, welches Betriebssystem auf ihrem Smartphone läuft. Meistgenutzte Funktionen seien aber weiterhin Uhrzeit und Wecker. Auf ihr Handy verzichten könnten mittlerweile nur mehr drei Prozent aller Befragten, aufs Internet nur ein Prozent. (fsc, derStandard.at, 21.8.2014)

  • A1-Chef Hannes Amtersreiter (Mitte) und Forscher Rudolf Bretschneider (rechts) stellten am Freitag die Ergebnisse einer neuen Studie vor.
    a1/apa-fotoservice/hinterramskogler

    A1-Chef Hannes Amtersreiter (Mitte) und Forscher Rudolf Bretschneider (rechts) stellten am Freitag die Ergebnisse einer neuen Studie vor.

  • Die "Social-Impact-Studie" habe schon Tradition, so Ametsreiter.
    a1/apa-fotoservice/hinterramskogler

    Die "Social-Impact-Studie" habe schon Tradition, so Ametsreiter.

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