Zuhören, wirken lassen und Schlüsse ziehen

29. August 2014, 09:49
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Einfühlungsvermögen bedeutet keine Ratschläge und Lösungen für andere zu entwickeln, gelassen in Gespräche zu gehen, Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren

Empathie ist Leidenschaft, Interesse und aufrichtige Neugierde für Menschen: Wie es ihnen geht, wie sie sich fühlen, aus welchem Grund sie so und nicht anders handeln. Dieses bedeutet nicht, mit allem einverstanden zu sein, sondern nur fähig zu sein, sich auf das Gegenüber ohne Vorurteile und Werturteile einzulassen.

Am besten verständlich ist Empathie entlang einer Skala:

  • Mitleid: Starke emotionale Empathie und Übernahme der Emotionen und Empfinden von körperlichen Schmerzen.
  • Mitgefühl (Compassion): rationales und emotionales "Einfühlen", freiwillige und kontrollierbare Übernahme der Emotionen/Stimmungen anderer.
  • Einfühlungsvermögen (Empathie): rationales und emotionales Verständnis.
  • Hineindenken: rationales/kognitives "Verstehen".
  • Keine Empathie / kein Mitgefühl: keine Wahrnehmung, was andere Menschen emotional und inhaltlich senden.

"Das Leben zieht wie ein Film an mir vorbei!", bringt zum Ausdruck, dass das In-Kontakt-Kommen mit den eigenen Bedürfnissen, den eigenen Gefühlen verloren gegangen ist. Selbsterkenntnis und ein gesunder Selbstwert sind die Basis, um Empathie für andere Menschen entwickeln zu können. Der rumänische Wissenschafter Leonardo Badea (Badea & Pana, 2010) zeigt, dass sie entscheidend für den Unternehmenserfolg ist.

Empathische Führungskräfte können wie folgt charakterisiert werden:

1. Sie sind fähig, stärkere zwischenmenschliche Beziehungen zu schaffen.

2. Sie sind besser in ihrer Eigenmotivation.

3. Sie motivieren Mitarbeiter/innen leichter.

4. Sie erzielen eine bessere Leistung als Führungskraft.

5. Sie passen sich leichter an Veränderungen an.

6. Sie schaffen ein Klima der Zusammenarbeit (Kooperation).

7. Sie sind mehr mit sich selbst versöhnt.

8. Ihre Mitarbeiter/innen vertrauen ihnen.

9. Sie schaffen eine emotionale Verbindung zwischen den Mitgliedern der Organisation.

10. Sie schaffen Resonanz.

Hilfreich sind daher Techniken wie das aktive oder passive Zuhören von Thomas Gordon, aber auch unterscheiden zu können, ob jemand an mich einen Appell, eine Sachbotschaft, eine Aussage über unsere Beziehung oder über sich selbst sendet (Schulz von Thun). Ratsam ist auch, den "Walk Around Manager" zu geben, in der Organisation präsent zu sein: Lassen Sie die Eindrücke auf sich wirken und ziehen Sie Ihre Schlüsse daraus. Vor allem aber bedeutet Empathie, keine Ratschläge und Lösungen für andere zu entwickeln, gelassen in Gespräche zu gehen, Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren. Doch gerade dieses "Wenige" stellt uns oft auf eine harte Probe. (Sabine Lengyel-Sigl, DER STANDARD, 23./24.8.2014)

Sabine Lengyel-Sigl ist Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologin, Gründerin von Resi Psychology und Autorin von "Corporate Awareness. Werte und die (R)Evolution der Arbeit" sowie "Diva Liebe. Unerwartet eins".

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